FSV Wacker 03 Gotha e. V.

Wacker lässt sich nicht reingrätschen

Thomas Fiedler, 09.07.2019

Wacker lässt sich nicht reingrätschen

Ein paar nachdenkliche Worte zur und ein Ausblick auf die neue Saison

Nein, auch wenn hier ein Bild eines anderen Vereins zu sehen ist, es geht trotzdem um uns aber dazu später mehr.

Hallo liebe Wackeren.

Ich bin gerade mit meiner Frau Steffi in Griechenland im Urlaub. Sie unterstützt mich bei meiner Arbeit für unseren FSV wo und wann immer sie kann. Trotzdem rang sie mir vor dem Urlaubsantritt das Versprechen ab, in diesen zwei Wochen bitte auch mal Urlaub von Wacker zu machen. Nun, der Urlaub geht dem Ende entgegen und fast, ja fast hätte ich mein Versprechen auch eingehalten. Ein paar wenige Kontakte nur gab es während der Zeit auf der Insel Kos, die erforderlich waren, den Urlaubsalltag aber keineswegs beeinträchtigten.

Aber wie das Leben eben auch während eines Aufenthaltes in der Ferne so spielt, es gibt dann letztendlich doch die ein oder zwei berechtigten Ausnahmen. Das eingangs ersichtliche Foto war die eine, eine persönliche Mail eines fußballinteressierten Zuschauers vor zwei Tagen die andere.

Er schrieb mir über einen Messeger-Dienst im Anschluss an das erste Testspiel unserer Männer gegen den FC Borntal Erfurt:

"Hallo Herr Fiedler. Ich gucke mir gerne Spiele der Männer an wenn ich zeitlich selber nicht kicken muss. Allerdings finde ich es schade das die Frauen selbst zu Testspielen  Eintritt zahlen  sollen....  aber vielleicht sollte man wenigstens zu Testspielen darüber nachdenken ob die Frauen nicht einfach frei gucken können. In der heutigen Zeit sollte man froh sein wenn noch einzelne Frauen die nicht zu den Spielern gehören zum Fußball im Kreis gehen. Schönen Urlaub noch."

Es geht mir hier und heute gar nicht um die Lösung des Problems, sie ist vielschichtig und vielseitig und ich werde versuchen, später zu diesem Thema auch ein paar Ausführungen zu veröffentlichen. Tatsache ist, dass sich hier ein Fußballfan Gedanken um die Attraktivität unseres Sports in Gotha bzw. im Kreis macht. Ein Thema, welches auch unter den Gesichtspunkten schwindender Zuschauerzahlen und sechs (!!!) existierender Fußballvereine in einer kleinen Stadt wie Gotha dringend diskutiert werden muss.

Davor, vor dieser Tatsache an sich, ziehe ich meinen Hut.

Davon, also vom Schlage des Cornell Reckschwart bräuchten wir mehr und deshalb ist es mir wert, auch während meines Urlaubs darauf einzugehen.

Nun aber zurück zum Foto der Preußen aus Bad Langensalza. Im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung steht die Miiteilung, dass sich Preußen Bad Langensalza mit etlichen Spielern aus Schlotheim verstärkt. Wohlgemerkt sind dabei 6 Nachwuchsspieler aus der Kaderschmiede des dortigen Fußballgymnasiums. Ich finde diesen Schritt der Preußen-Verantwortlichen um Präsident Benno Harbauer gut, ich finde ihn bezüglich der "Investition" in junge Spieler auch richtig. Warum nehme ich diese Personalentscheidung eines anderen Vereins jedoch als Aufhänger für einen Bericht auf unserer Wackerseite?

Ich will es euch, liebe Wackeren sagen. Ich will euch allen, die diesen Text gerade lesen bewusst machen, dass ihr alle Stolz in eurer Brust tragen dürft, einem so großartigen Verein wie dem des FSV Wacker 03 Gotha angehören zu dürfen. Während sich die Preußen aus Langensalza diese 6 Nachwuchsspieler aus Schlotheim holen müssen, haben wir in Gotha im Jahre 2018 acht (!) und jetzt zu Beginn der Saison 2019/2020 weiterer fünf Spieler nicht von irgendwoher, sondern AUS DEN EIGENEN REIHEN in den Männerbereich übernommen. Nein, das schmälert keineswegs die Jugendarbeit in Bad Langensalza aber es wertet die unsrige enorm auf.

Das, liebe Trainer im Nachwuchsbereich unseres Vereins, ist das Ergebnis EURER HOCHWERTIGEN ARBEIT. Diese Arbeit ist nachweis- und messbar. Diese Ergebnisse sind keine Eintagsfliegen, sondern setzen sich über viele Jahre kontinuierlich fort. Es ist eure Arbeit. Darauf bin ich als euer Präsident stolz, weil ich einschätzen kann, wie viel Leistung ihr alle in den letzten Jahren erbracht habt.

Und es ist auch dieser, eurer hochwertigen Arbeit zu verdanken, dass wir in den jüngeren Jahrgängen auch immer wieder gute Spieler zu den Thüringer Leistungszentren abgeben konnten. Lassen wir mal außen vor, dass diese Arbeit derzeit und somit in ihrer Auswirkung für die kommenden Jahre negativ vom FC Rot-Weiß beeinflusst wird. Nein, gemeint ist nicht, dass wir uns beim FSV unserer Aufgabe als Förderer begabter junger Fußballer verschließen möchten, keineswegs. Talente haben wir in der Vergangenheit aus Gotha immer gern nach Erfurt ziehen lassen aber eben auch nur Talente. Die jedoch zieht es heute nach Nordhausen, Jena oder zu RB Leipzig. Nicht zu akzeptieren ist jedoch, wenn vom Club in Erfurt wie in diesem Jahr zwecks quantitativen Erhalts der eigenen Spielfähigkeit eine halbe Nachwuchsmannschaft bereits im E-Jugend-Alter (und das OHNE Absprache mit unserem Verein) abgeworben wird. Das hinterlässt Zweifel am Fairplay des sogenannten Nachwuchsleistungszentrums und der Sozialkompetenz der dort handelnden Verantwortlichen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass derartiges Handeln im Sinne des DFB ist, der für die zertifizierten Nachwuchsleistungszentren jährlich keine geringen Summen zur Verfügung stellt.

Dass sich die fünf nach Erfurt wechselnden Kinder jedoch zweifellos zu guten Fußballern bei uns entwickelt haben, spricht wiederum für euch, liebe Trainer und für niemand anderen. Auch wenn Wechselregularien nun mal einzuhalten sind, ich wünsche den 5 Jungs alles Gute und viel Erfolg auf ihrem neuen Weg.

Doch es gibt trotzdem für uns keinen Grund zu jammern, bitte lasst mich die Quintessenz unserer Nachwuchsarbeit nochmals betonen. Ich bin davon überzeugt, dass wir aber auch die Preußen den richtigen Weg gehen. Unser Wacker-Stolz sollte, muss und wird sich darauf begründen, dass wir diesen Weg in Gotha aus den eigenen Reihen und aus eigener Kraft gehen können. Die Spielklasse der 1. Männer ist nicht das Primäre, die Qualität der Jugendarbeit über lange Zeiträume ist das Wichtigste.

Ich möchte diese Worte als Motivation für euch und uns und als Einstimmung auf eine tolle und erfolgreiche neue Saison verstanden wissen. Ich möchte euch, unseren Trainern mit diesen Sätzen sagen, dass ich eure Arbeit wertschätze, die Sorgen und Anfragen auch der jüngsten Mitglieder ernst nehme und immer euer Intetessenvertreter sein werde. Und ich möchte euch versichern, dass wir uns durch unfaire Tacklings, wie oben beschrieben, nicht aus der Bahn werfen lassen werden.

Liebe Wackeren, auch im Urlaub und vielleicht, weil sich dort nicht nur der Körper, sondern auch der Verstand erholt und diese Worte demzufolge wohl überlegt sind, bin ich an eurer Seite! Ich vertraue und glaube an euch.

Doch ich bin nicht nur an eurer Seite, sondern wie ganz am Anfang meines Beitrages erwähnt, hier im Urlaub besonders an der Seite meiner Frau. Leider habe ich meinen Schwur von der wackerfreien Zeit in Griechenland nicht ganz eingehalten. Aber wie ich meine Frau kenne, hätte sie das auch von vorn herein bestimmt nicht für möglich gehalten. Danke auch und nicht nur dafür an sie.

Wacker voran!

 

Quelle Foto: fupa.net