Ein Mangel an Interesse
Torsten Graf, 22.01.2013
Zwölf Punkte aus 13 Spielen, ein Torverhältnis von 15:34 und nur drei Auswärtspunkte. Der FSV Wacker 03 Gotha überwintert in der Fußball-Oberliga auf einem Abstiegsplatz.
Nach einer schwachen Vorsaison sollte das dritte Jahr Oberliga des Gothaer Traditionsvereins wieder ein besseres werden. So bastelten Trainer Holger Bühner und Steven Hoppert, Sportlicher Leiter, im Sommer wochenlang an einem neuen Kader. Und siehe da, es kamen viele neue junge Gesichter in die Residenzstadt, die von nun an die schwarz-roten Farben trugen. Kaum einer war älter als 21 Jahre - eine Tatsache, die sich im Laufe der Hinrunde noch als Problem herausstellen sollte. Mit Christopher Lehmann - ein ehemaliger Regionalligaspieler vom ZFC Meuselwitz - wurde aber auch ein klangvoller Name verpflichtet.
Eine Neuerung bot zudem die Umstrukturierung der Oberliga. Übermannschaften wie Lok Leipzig, Zwickau oder Auerbach spielten von nun an in der Regionalliga. An deren Stelle traten Mannschaften, von denen man sich erhofft hatte, dass sie sich mit dem eigenen Verein auf Augenhöhe bewegen würden. Wacker Gotha, so war die Hoffnung der Vereinsverantwortlichen, würde diesmal nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Von einem einstelligen Tabellenplatz sprach beispielsweise Mittelfeldspieler Andy Brandau, der Wacker bekanntlich in der Winterpause verlassen hat.
Schnell trat Ernüchterung ein. Die 0:4-Auftaktniederlage beim Aufsteiger Heidenauer SV ließ sich noch unter der Kategorie Ausrutscher und Selbstfindung abhaken. Auch, weil die beiden ersten Heimspiele im Thüringenderby gegen Rudolstadt (2:1) und gegen VfL Halle (3:1) erfolgreich verliefen. Wacker war auf Kurs - so schien es. Doch danach ging es stetig bergab. Das Aus in der ersten Runde des Thüringenpokals, die 0:1-Schmach beim SV Steinach, war nur der Auftakt. Es folgten sieben Niederlagen am Stück. Teils deftige Klatschen wie das 0:7 in Markranstädt, teils unglückliche Niederlagen wie das 2:3 gegen Chemnitz II. Wacker Gotha war auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht.
Bis zum elften Spieltag waren die Gothaer in jedem Spiel zunächst 0:1 in Rückstand geraten. Immerhin folgte in Chemnitz der Befreiungsschlag. Christopher Lehmann traf bei der Fortuna in Halbzeit eins gleich dreimal und beendete beim 3:1 die lange Durststrecke. Und auch die letzte Partie im alten Jahr gegen Aue II wurde mit 2:1 siegreich gestaltet. Wacker war im Spiel um den Klassenverbleib wieder dabei.
Auch wenn sportliche gesehen die Hinrunde für Wacker Gotha nicht so verlief, wie man sich das vor Saisonbeginn erhofft hatte, ist, wenn man die Tabelle betrachtet, noch nichts verloren. Schlimmer wiegt allerdings die Tatsache, dass die Fußballanhänger im Landkreis zum Großteil das Interesse am Gothaer Traditionsverein verloren zu haben scheinen. Das belegen die mehr als dürftigen Zuschauerzahlen, die von Saison zu Saison stetig abnahmen. Eine Identifikation mit Wacker Gotha findet kaum statt.
Vieles lässt sich natürlich mit der finanziell prekären Situation erklären, die weiterhin am Verein nagt. Über den Etat von Wacker Gotha können Vereine wie Wacker Nordhausen, Budissa Bautzen oder Markranstädt nur lachen. Aber nicht alles lässt sich eben mit der wirtschaftlichen Lage erklären.
Blickt man auf die zweite Saisonhälfte, so sieht es kaum besser aus. Andy Brandau und Christopher Lehmann haben den Verein verlassen, Stammspieler, die zur Leistungsspitze der Mannschaft gehörten und in der Vergangenheit oft den Unterschied ausmachten. Ein gleichwertiger Ersatz ist nicht gefunden worden oder war nicht gewollt.
Unter diesen Umständen wird der Kampf um den Klassenerhalt mehr als zu einer Herkulesaufgabe werden. Vielleicht plant der Verein aber schon längst über die Saison hinaus. Nicht umsonst sprach Präsident Holger Gabe im November von einer Neuausrichtung, die der Verein dringend benötige.
Von Sascha Richter
Quelle:TLZ vom 19.01.2013