Schwierigen Zeiten entgegen treten
Torsten Graf, 13.06.2013
Die Weichen für die Zukunft sind gestellt - der Zug wird es auf dem Weg ins Ziel jedoch nicht leicht haben. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des FSV Wacker 03 Gotha ist Thomas Fiedler einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt worden. Er löst damit Holger Gabe ab, der sechs Jahre die Geschicke des Vereins leitete. Christian Gehret als Vizepräsident und Jürgen Thara als Schatzmeister werden künftig an Fiedlers Seite im Vorstand agieren.
Zudem wurde die schon lange in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Frage der sportlichen Ausrichtung geklärt. Wacker Gotha wird - unabhängig vom Klassenerhalt in der Oberliga - kommende Saison eine Spielklasse tiefer in der Verbandsliga spielen. Als Ursache führte Thomas Fiedler bei seiner Antrittsrede finanzielle Gründe an. In diesem Jahr werde der Verein vom letztjährigen Etat (rund 119 000 Euro) wenn es gut käme etwas mehr als die Hälfte zur Verfügung haben, erklärte Fiedler bei der Versammlung vergangenen Freitag in Boilstädt. "Deshalb ist die Frage, ob Oberliga oder nicht, gar nicht zu stellen", sagte Fiedler weiter. Es sei schon eine horrende Herausforderung, mit den vorhandenen Mitteln das derzeitig geplante überhaupt leisten zu können.
Die Zahlen verdeutlichen, in welcher wirtschaftlichen Misere der Traditionsverein momentan steckt. Fiedler stellt sich der Herausforderung mit Mut, aber auch Realismus: "Ich glaube, wir haben die schwierigste Zeit vor uns. Es wird immens schwer, überhaupt zwei spielfähige Männermannschaften zusammen zu bekommen, und immens schwer, das Niveau im Nachwuchsbereich beizubehalten. Ich bin bereit, den Weg mit euch zu gehen."
Nicht nur personell und sportlich will der FSV Wacker 03 Gotha neue Wege gehen. Auch in der Satzung und in der Vereinskultur sind tiefgreifende Veränderungen geplant. Für seine Amtszeit hat sich der neue Präsident klare Prinzipien gesetzt. Unter Fiedler werde es keine finanziellen Experimente wie Kreditaufnahmen geben. Es sollen nur solche Zusagen an Spieler und Trainer gemacht werden, von denen die Vereinsverantwortlichen wissen, dass sie auch zu halten sind. Zudem plädiert Fiedler für klare Hierarchien: Zusagen sollen nur diejenigen treffen, die verantwortlich sind, sprich Christian Gehret und er selbst. Zukünftig sollen die Aufgaben im Verein auf mehr Schultern verteilt werden. Beispielsweise wird der Vorstand auf fünf Mitglieder mit Vollverantwortung für jedes einzelne Ressort erweitert werden. Der Nachwuchsbereich soll eine eigene Stellung mit Vollverantwortung bekommen.
Ab 2014 müssen sich die Mitglieder auf höhere Beiträge einstellen. Die Initiative ging auf Lars Bethmann zurück, der eine Erhöhung um einen Euro monatlich für Kinder und Erwachsene beantragt hatte. Bisher zahlen Kinder drei Euro und Erwachsene fünf Euro pro Monat. "Ich denke, in Zeiten schlechter Kasse ist es nicht vermessen, da Realität hereinzubringen", verteidigte Thomas Fiedler den Beschluss. Schließlich müsse man auch bedenken, wie viele Stunden pro Woche die Kinder im Verein betreut werden. Außerdem sind einige Änderungen in der Satzung beschlossen worden. Thomas Fiedler wird - anders als sein Vorgänger Holger Gabe, der für sechs Jahre gewählt worden war - das Amt nur noch drei Jahre ausführen. Zudem fällt das Alleinvorschlagsrecht des Präsidenten für das Amt des Vizepräsidenten und für den Schatzmeister weg.
Unspektakulär verlief unterdessen die eigentliche Wahl des neuen Vorstands ab. Auf Vorschlag von Versammlungsleiter Professor Ralf Müller wurde offen abgestimmt. Außer den später gewählten standen keine weiteren Kandidaten zur Auswahl. Mit Christian Gehret bekleidet kein Unbekannter den zweithöchsten Posten im Verein. Der 44-jährige Rechtsanwalt war in Vergangenheit schon einmal Präsident bei Wacker 03. Jürgen Thara war im Verein bis dato für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Jetzt übernimmt er von Mario Darr den Posten des Schatzmeisters. "Es ist ein schwieriges Amt, wir haben die Zahlen gehört", sagt Thara.
Bei allen Problemen, die den Gothaer Fußballsportverein im Moment plagen; die Errungenschaften blieben nicht unerwähnt. Hatte der Verein bei seiner Gründung vor zehn Jahren noch 180 000 Euro Schulden, so ist man jetzt schuldenfrei, abgesehen von kleinen Verbindlichkeiten. Schulden habe man jedoch moralischer Natur gegenüber seinen Mitgliedern, betonte Thomas Fiedler.
Von Sascha Richter
Quelle:TLZ