Interview mit Thomas Fiedler
Thomas Fiedler, 01.10.2014
Unser Web-Administrator und Fanbetreuer Torsten Graf bat unseren Präsidenten zu einem Gespräch über allgemeine Positionen in Bezug auf den FSV Wacker 03 Gotha.
Eine Niederlage im Stadt-Derby am vergangenen Wochenende. Wo steht unser Verein?
Es geht doch hier gar nicht um dieses Derby, die Ergebnisse und das Auftreten stimmt schon seit geraumer Zeit nicht bei unserer Ersten. Wir sind derzeit in der Analyse und haben auch schon Maßnahmen anberaumt. Aber es ist jetzt gewiss nicht an der Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Außerdem ist Wacker mehr als nur die erste Männermannschaft.
Gut Herr Fiedler, Sie sind nun seit etwas mehr als einem Jahr im Amt. Wie fällt ihr allgemeines Fazit aus?
Na ja, die Arbeit ist nicht leicht, niemand bringt dir bei wie ein Verein zu führen ist. Aber Ihre Frage ist nicht mit wenigen Worten zu beschreiben. Ich will mich deshalb auf das Wesentliche beschränken.
Gut und richtig war, dass Christian Gehret und ich am Anfang eine intensive Analyse sowohl der sportlichen als auch der finanziellen Situation durchgeführt und die sich daraus ergebenden Entscheidungen getroffen haben. Dies waren in erster Linie die Konsolidierung der Vereinsfinanzen, die Fortführung der ausgezeichneten Arbeit im Jugendbereich und das Aufstellen eines Konzeptes zur künftigen Ausrichtung der Männermannschaften.
Darüber hinaus wurde unsere Jugendausbildungskonzeption weiter entwickelt und neue Übungsleiter im Jugendbereich konnten gewonnen werden. Wir haben beschlossen, die Qualität in der Ausbildung unserer Jugendlichen sogar noch zu erhöhen. Seit Herbst 2013 übernimmt der Verein die Ausbildungskosten der Trainer zur Erlangung der notwendigen Lizenzen.
Für den Nachwuchsbereich wurde mit Horst Bachmann ein Torwarttrainer vom Verband ausgebildet und vor kurzem wurde zum ersten Mal in unserer Vereinsgeschichte die Führung des Jugendbereiches mit einer geheimen Wahl auch legitimiert.
In ein paar Tagen wird bereits zum dritten Mal unser Familientag durchgeführt. Unser Seniorenbeirat hat das Vereinsleben damit entscheidend voran gebracht.
Als überaus erfolgreich schätze ich ein, dass der Vertrag mit unserem Hauptsponsor, der Stadtwerke Gotha GmbH verlängert werden konnte. Die Stadtwerke haben damit ein klares Bekenntnis zur weiteren Entwicklung des Fußballsports in Gotha abgegeben und bekennen, dass Sponsoring nicht nur von der Spielklasse der ersten Männermannschaft sondern von der Qualität des gesamten Vereins abhängt.
Mit der Regionalstiftung der Kreissparkasse Gotha konnten wir bereits im Vorjahr einen weiteren Partner gewinnen, der uns nun auch 2014 unterstützt. Mit ihrer Hilfe ist es uns möglich, sowohl die Trainingslager als auch die Teilnahme verschiedener Jugendmannschaften bei hochwertig besetzten Turnieren im Ausland zu gewährleisten. Für Kinder aus sozial schwächeren Familien oder mit Migrationshintergrund wirkt so ein längerer Aufenthalt unter Freunden oft wie ein kleiner Urlaub.
Im sportlichen Sinne bezeichne ich es als Erfolg, das am Ende der Saison 2013/2014 vier Spieler aus unserem Nachwuchsbereich den Weg zu den Leistungszentren nach Erfurt und Jena geschafft haben. In den letzten Monaten konnten wir uns aber auch über die Heimkehr ehemaliger Jugendtalente freuen, die uns einst beim Eintritt in das Erwachsenenalter verlassen haben und nun wieder unsere Erste und Zweite verstärken.
Sehr stolz bin ich auf den Erhalt der zweiten Männermannschaft, was wohl bemerkt nur mit Hilfe der A-Juniorenspieler und besonders unserer Alten Herren (die das wirklich nicht sind) möglich war. Hier jedoch gezielt auf all die Geschehnisse in und um die Zweite einzugehen, das Pro und Contra zu erläutern und über unsere Gedankenmodelle in den letzten Monaten zu berichten, würde den Rahmen sprengen …..
… vielleicht könnten wir ja in einem späteren Gespräch auf diese Dinge ebenso gezielt eingehen wie auf die Analyse des Saisonstarts der Landesklassen-Elf?
Gern.
Es ist also viel Erfreuliches geschehen, was leider zu selten von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Gab es auch Unangenehmes, Unerfreuliches oder Unerledigtes?
Na sicherlich gab es das. Ich bin kein Mensch, der die Welt durch eine rosarote Brille sieht.
Da ist die Aufgabe, die A-Junioren nicht mehr als „Ausstatter“ für die Zweite zu missbrauchen. Unser erfahrener F-Trainer Uwe Baumbach gab berechtigterweise bei einer der letzten Trainerversammlungen den Hinweis: „Denkt daran, die A ist das Aushängeschild eines jeden Vereins!“ Das ist umso mehr richtig, weil andere Vereine gar keine A im Spielbetrieb haben. Hier muss unsererseits viel getan werden. Aber dies ist ebenso unerledigt wie der weitere Ausbau unseres Mitarbeiterstabes v. a. im nicht-sportlichen Bereich. Leider sind immer weniger Menschen bereit, sich neben Familie und Beruf zu engagieren.
Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich die Mitarbeiter unseres Vereins, die Trainer, Übungsleiter, Betreuer aber auch die Fanbetreuung mehr über ihre eigene Tätigkeit hinaus bis zu einem gewissen Grad in die Vereinsführung einmischen. Hier fehlt oftmals die Rückkopplung, wir machen ja auch nicht alles richtig, könnten Hilfe, manchmal auch Entlastung gebrauchen. Vieles bleibt auch unerledigt. Niemand muss Angst haben, dass er gleich ein Amt bekommt, wenn er eine Idee oder einen Vorschlag äußert. Aber temporär tätig zu werden, eine Aufgabe einmalig oder für einen bestimmten Zeitraum zu übernehmen, würde unseren Verein enorm voran bringen.
Sie sprachen schon mehrmals vom Nachwuchsbereich, die Neuwahl der Führung wurde erwähnt. Ohne konkret auf einzelne Mannschaften einzugehen, was würden Sie als Hauptaufgaben bezeichnen?
Da steht an erster Stelle eindeutig die Sicherung und weitere Entwicklung der Ausbildungsqualität. Gemäß unserer Konzeption wird die individuelle Entwicklung des Einzelnen immer Vorrang vor dem Spielergebnis der Mannschaft haben. Dies sollte bedacht werden, wenn man manchmal auf eine Tabelle oder ein Ergebnis schaut.
Darüber hinaus muss es uns gelingen, Männer oder auch Frauen für den Trainer-/Übungsleiterjob zu begeistern. Wir haben das Ziel, in jeder Mannschaft mit mindestens zwei Trainern präsent zu sein. Deren Ausbildung wird von uns finanziert, ich sprach das schon an, weil wir der Auffassung sind, dass die Qualität der Jugendarbeit unter anderem davon abhängt, wie stark die Fähigkeiten der Trainer ausgeprägt sind.
Sehr zu denken gibt mir allerdings die Disziplin in den jüngeren Mannschaften und dabei meine ich nicht die Kinder. Wir sind in unserer Gesellschaft an einem Punkt angekommen, wo jeder bei jedem Thema nicht nur mitreden sondern leider auch mitbestimmen möchte. Bis zu einem gewissen Punkt ist das auch in Ordnung und dennoch würde ich mich über ein klein wenig mehr Zurückhaltung durch manche Eltern freuen. Jede unserer Mannschaften trainiert mindestens zweimal wöchentlich und trägt am Wochenende ein Spiel aus. Wir reden hier also über mehr als 30 Stunden monatlich, in denen die Eltern ihre Schützlinge bei uns nicht nur in Betreuung sondern auch in sehr guter Ausbildung wissen. Das ist fasst eine komplette Arbeitswoche, die unsere Trainer dafür aufwenden. Zu der sportlichen Arbeit kommen seelischer Beistand bei Nichtaufstellung der Kinder, Trost bei Auswechslungen oder Verletzungen und manchmal individuelle Gespräche zu schulischen oder auch familiären Problemen.
Unsere Trainer leisten alle und durchweg eine hervorragende Arbeit.
Für diese Arbeit brauchen unsere Trainer natürlich auch die Gespräche mit den Eltern, die den jeweils individuellen Entwicklungsstand der Kinder außerhalb des Fußballs betreffen. Hat das Kind Sorgen, hat die Pubertät eingesetzt, kommt gerade ein Wachstumsschub? Diese Hinweise brauchen wir genauso wie ein kritisches Feedback unsere Arbeit betreffend. Doch wer Kritikpunkte hat, möge diese sachlich an den entsprechenden Stellen anbringen. Wer aber glaubt, sich Trainer und Übungsleiter aussuchen zu können, das Leistungsvermögen fremder Kinder einschätzen zu müssen, wer die Einstufung seines Kindes in eine bestimmte Mannschaft oder auf eine bestimmte Spielposition ständig anzweifelt oder versucht, auf die Aufstellung am Spieltag Einfluss zu nehmen, der ist bei uns fehl am Platze. Ich sage das hier ganz unmissverständlich. Wenn Vati oder Mutti der Meinung sind, ihr Kind erhält in einem anderen Verein eine bessere Ausbildung – bitteschön.
Abschließend eine letzte Frage. Was bietet der FSV Wacker zu seinem Familienfest am 3. Oktober?
Er bietet vor allen Dingen das einzige Familien-Fest in der Residenzstadt an diesem Tag. Ab 10 Uhr wollen wir gemeinsam mit unseren hoffentlich zahlreichen Besuchern und vielen Gästen im Klaus-Törpe-Sportpark einen rundum angenehmen Tag verbringen, bei dem es für Groß und Klein bis in die Abendstunden jede Menge Unterhaltung, Spiel und Spaß geben wird – für das leibliche Wohl ist natürlich ausreichend gesorgt. Ehemalige Aktive werden sich nun schon zum dritten Mal seit langer Zeit wieder sehen, es gibt Showvorstellungen zu erleben, Preise zu gewinnen und natürlich kommt auch der Kampf um Tore und Punkte nicht zu kurz.
Neben einem Spiel einer unserer Nachwuchsmannschaften freue ich mich ganz besonders auf einen nicht nur fußballerischen Leckerbissen, sondern auch auf etwas, was es bei Wacker sonst nicht gibt. Die Frauen des TSV 1869 Sundhausen, trainiert vom uns allen bekannten Sportfreund Denis Röse, werden um 13:30 Uhr ihr Verbandsliga-Punktspiel gegen die Mannschaft von FSV Silvester 91 Bad Salzungen im Rahmen unseres Festes austragen. Ich wünsche mir, dass die Sundhäuserinnen eine riesengroße Gothaer Zuschauerkulisse zur Unterstützung im Rücken haben werden.
16:00 Uhr wird es dann zur Partie unserer Ersten ebenfalls gegen eine Bad Salzunger Mannschaft kommen. Gegner werden unsere Namensvetter von Wacker Bad Salzungen sein.
An dieser Stelle möchte ich mich bereits bei unserem Seniorenbeirat für die Vorbereitung und Organisation des größten Wacker-Vereinsfestes bedanken. Karl-Heinz Sauerbrey, Klaus Baumbach, Bernd Vollkenannt, Bernd Andreas, Hänser Cott und Heinz Schönemann haben mit Unterstützung durch Volkhard Schüller wieder viel Zeit investiert und auch keine Mühen gescheut. Es ist schön, dass es diese Sportfreunde gibt.
Herr Fiedler, vielen Dank für das Gespräch.