Fiedeles-"Ich sehe nicht, was du so siehst!"
Thomas Fiedler, 16.10.2014
In loser Folge wird sich von nun an unser Vorstand über Neuigkeiten, Pläne, Ideen, Gerüchte, sportliche Tendenzen, Vereinsinteressen und noch manches mehr äußern. Grundlage wird meist das Grußwort aus dem Programmheft des jeweiligen Heimspiels unserer Landesklassen-Elf sein, da nicht alle Wacker-Zuschauer jedes Heimspiel vor Ort verfolgen können. Wir wollen somit Diskussionen anregen, zum Mitdenken auffordern und zum Nachdenken anregen. Hier sollen keine Beschlüsse diskutiert werden, sondern wir wollen mit unseren Themen polarisieren. Jeder, der sich für den FSV Wacker interessiert, ist aufgerufen mit zu denken, mit zu helfen und mit zu arbeiten.
Folge 2
Geschichten zum Vereinsfest, zu einem Fairness-Erlebnis und zum Nachdenken über’s Anspruchsdenken
Bereits zum dritten Mal veranstaltet unser Verein am Tag der Deutschen Einheit sein Familienfest und zieht an diesem Tag somit auch für den sportlichen Höhepunkt dieser Veranstaltung aus dem benachbarten Volkpark-Stadion in den „Leinefelder“ um. Der große Gothaer Radsportler Klaus Törpe, der bereits im Jugendalter in den fünfziger Jahren für viel Aufsehen im ostdeutschen Radsport sorgte, bei einem Radrennen jedoch mit nicht einmal 16 Jahren tödlich verunglückte, gab diesem Arbeiter-Sportplatz seinen Namen. Mit diesem Vereinsfest möchte unser Verein Tradition bewahren, ehemalige Aktive und Mitstreiter wenigstens einmal im Jahr vereinen, die Gemeinschaft fördern und zum fairen Miteinander aller Gothaer Sportler animieren. Auch aus diesem Grund sind am Tag der Deutschen Einheit nicht nur Fußballer sondern auch Judosportler und Tänzerinnen am Start. Dass es unserem Seniorenbeirat darüber hinaus gelungen ist, ein Frauen-Verbandsliga-Punktspiel des TSV 1869 Sundhausen gegen einen Gegner, der ebenfalls aus Bad Salzungen kommt, hier in den Törpe-Sportpark zu holen, macht diese Fest nicht nur zu einem Highlight für Familien sondern bietet sportliche Leckerbissen jeglicher Art.
Ich darf somit den Organisatoren ein großes Kompliment für den gelungen Mix aus Sport, Spaß, kulinarischen Genüssen und vielen Überraschungen aussprechen.
Nicht zuletzt dienen solche Feste auch dazu, uns zum sauberen und fairen Umgang im Sport gegenüber dem Gegner zu erziehen. Hierzu fällt mir eine Begebenheit ein, die ich vor einer Woche bei einem Auswärtsspiel unserer Junioren erleben durfte. Es ist zwar Zufall aber gerade deshalb auch eine Beweis dafür, dass das Leben manchmal die passenden Drehbücher für uns schreibt, denn auch diese Spiel fand zwischen den beiden Wackervereinen von Bad Salzungen und Gotha statt. Waren es vor eine Woche die C-Junioren, so sind es heute die ersten Männermannschaften. Ein älterer Herr aus Bad Salzungen gab also beim Spiel unserer C1 während der gesamten Spielzeit seine Kommentare ab, immer freundlich und von Fußballverständnis geprägt. Nach dem Spiel zückte er einen Geldschein und bemerkte: „Ich bin neutraler Zuschauer, es spielt auch kein Enkelkind von mir bei den Salzungern und ich rauche nicht und trinke nicht. Eure Jungs haben gut gespielt. Wären die Bad Salzunger besser gewesen, hätten die was bekommen. Gebt’s den Jungs für die Mannschaftskasse.“ Eine tolle Geste, so finde ich, denn wir alle hören es doch gern, wenn unsere Leistung honoriert wird und wir positiv ankommen. Das überreichte Geld spielte dabei keine Rolle. Die C-Junioren bedanken sich bei diesem anonymen Herrn und wir alle sollten daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass man sich an solche Situationen viel lieber erinnert, als an Beleidigungen und Schmähgesänge gegen ganze Vereine, einzelne Personen oder Brause herstellende Firmen. Vielleicht erinnert sich der Ein- oder Andere mal an diese Geschichte, wenn das Fußballerblut in den Adern in Wallung gerät.
Somit sind Bad Salzungen und Gotha in dreifacher Hinsicht die Protagonisten dieser Tage. Bei der Partie der Damen, im Spiel der Herren und auch bei der Betrachtung dieser Fairness-Geschichte.
Was die sportliche Situation in unserer 1. Männermannschaft anbetrifft, habe ich in meinem Grußwort des letzten Heimspiels schon ein paar deutliche Worte verlauten lassen.
Hier läuft es und das müssen wir weder beschönigen noch weiterhin versuchen Ausreden zu finden, nicht rund, auch wenn in Meiningen eine spürbare Verbesserung erkennbar war.
Die Ursachen sind verschieden. Fakt ist, die Jungs können das Gelernte und Trainierte auf dem Platz nicht abrufen. Die Zeit des Schmusekurses ist deshalb nun vorbei. Viele ernsthafte Gespräche mit den Beteiligten wurden geführt, die nicht zu akzeptierenden Punkte offen gelegt und entsprechenden Maßnahmen ergriffen. Fußball ist ein Mannschaftssport, dem gemeinsamen Ziel haben sich ALLE unterzuordnen. Der Cheftrainer hat die vorgegebene Richtung umzusetzen und wenn er (und nur er) das letzte Wort zu Einstellung, Taktik und Aufstellung gesprochen hat, gibt es für Niemanden die Berechtigung, sich dem durch Zwischenrufe, Kommentare oder Ähnliches zu widersetzen. Darüber hinaus ist Führungsverantwortung auf dem Platz gefordert und es stellt sich die Frage, wer diese Rolle übernehmen kann und will. Die Akzeptanz aller ist dafür notwendig. Ziel des FSV muss es sein, sich wieder einen Platz in der Thüringen-Liga zu erkämpfen. Wann dieser Wiederaufstieg jedoch gelingt wird dadurch bestimmt, ob man sich im Team entscheidet auch als Team aufzutreten. Ohne entsprechende Veränderungen im Miteinander wird dieses Ziel nur schwerlich zu erreichen sein.
Ich wünsche allen Mitgliedern, Freunden und Anhängern, allen Sponsoren und Förderern unseres Vereins und allen Besuchern unseres Vereinsfestes einen schönen Feiertag.
Ihr und euer Thomas Fiedler
Wacker voran!