Was wäre ein Verein ohne Menschen wie sie?
Thomas Fiedler, 13.04.2016
Zu Beginn der Saison 2009/2010 wechselt der junge B-Junior Christian Groß zu unserem FSV Wacker 03. Gemeinsam mit ihm kommt seine Oma Gudrun. Es ging sehr schnell und Oma, wie sie heute noch liebevoll genannt wird, wird nicht nur ihres Enkels wegen ein treuer Wacker-Fan. Immer begleitet sie die Mannschaft ihres Christians und immer hat Oma bei jedem Spiel die Verpflegungstasche dabei. Die Jungs lieben ihre liebevoll zubereiteten Sandwiches ebenso wie die Trainer. Ein ganz besonderer Höhepunkt wird am 4. Juni 2013 für Oma der Gewinn des Landesmeistertitels der A-Junioren, zu denen ihr Christian gehört. Von Stefan Zielasko bekommt sie nach dem Spiel als Dankeschön das „Oma Gudrun“- Trikot überreicht. Nach dem Titelgewinn folgte der Sprung fast aller Juniorenspieler in die 1. Mannschaft in die Landesliga.
Auch als ihr Enkel das Team aus beruflichen Gründen verlassen muss , bleibt Oma dem Team bis heute treu. „Natürlich habe ich auch schon mal ein Spiel meines Enkels bei seinem neuen Verein angeschaut aber ich bin nicht jemand, der ständig sein Gesicht wechselt, ich bin und bleibe Wacker.“ sagt die agile Rentnerin, die in Gothas Süden eine kleine Pension betreibt und der man ihre 71 Jahre keineswegs ansieht. Und so ist Oma Gudrun Woche für Woche in ihrem Wacker Outfit bei der Mannschaft. Zu jedem Auswärtsspiel fährt sie im Mannschaftsbus mit. Es müssen schon sehr zwingende Gründe vorliegen, wenn sie mal nicht dabei ist. Unlängst bereitete sie der Mannschaft zum wöchentlich gemeinsamen Abendessen eine leckere Lauch-Käse-Suppe. „Das muss auch Trainer Hagen Becker abkönnen“ sagt sie mit einem süffisanten Lächeln. „Der mag Lauch-Käse-Suppe gar nicht.“ Durch ihr sympathisches Wesen ist Oma Gudrun, die mit kompletten Namen Gudrun Mahr heißt, auch bei Spieler– und Trainerfrauen oder Spielereltern beliebt. Oma Gudrun beteiligt sich immer gern, gibt von Herzen, selbst ihr letztes Hemd würde Oma abgeben, um einem anderen zu helfen. Aus Dankbarkeit für ihr Engagement und ihr großes Herz belohnten sie die Trainer Becker, Brychcy und Micha vor 2 Jahren mit einem Besuch bei ihrer zweiten Fußballliebe, einem Heimspiel des FC Schalke 04. Ein Traum ging für Oma Gudrun in Erfüllung. Bei der Frage nach ihren Wünschen steht natürlich Gesundheit an erster Stelle. Doch gleich danach sagt sie mit leuchtenden Augen: „Ich wünsche mir ganz schlimm, dass unser aller Verhältnis so bleibt wie es ist.“ Dann blitzt aber sofort auch wieder der Schelm in ihrem Gesicht auf und sie führt fort: „...aber auch, dass die Jungs meine Nutella-Sandwiches akzeptieren und ich mir endlich die Texte der nicht ganz so stubenreinen Lieder merken kann, die wir nach Siegen im Mannschaftsbus immer singen.“ Hauptwunsch ist dann aber doch wieder etwas Sportliches. Schauen wir mal, ob ihn die Mannschaft zum Saisonende erfüllen kann...
Unser größter Wunsch ist, dass Oma Gudrun uns noch viele Jahre gesund und treu erhalten bleibt.