Worte zum Fest

Thomas Fiedler, 21.12.2016

Das Jahr neigt sich dem Ende und mit unserem Doppelsieg beim 4. Christmas Fun im Quality-Hotel haben wir noch einmal bewiesen, zu welch grandiosen Leistungen wir auch abseits des Fußball-Rasens fähig sind. Verbunden mit dem besonderen Dank an alle Vereinsmitglieder darf ich sagen: Ihr alle, von den Kleinsten bis zum harten Kern der 1. Männer, seid ein tolles Team.

Vor über drei Jahren, als ich mich dieser gigantischen Aufgabe der Erneuerung unseres Vereins stellte, war das nicht zu erwarten. Erste Aufgabe war es damals, Vertrauen zu schaffen, Vertrauen in die ehrliche Arbeit des Vorstandes. Deshalb versprach ich euch vor allen Dingen Transparenz über die zu treffenden Entscheidungen, um euch mitzunehmen zu Spaß, Freude und Erfolg. Das haben wir in dieser vergangenen Zeit auch so praktiziert.

Diese Transparenz möchte ich euch darüber hinaus auch bei manchen (natürlich nicht bei allen) Dingen gewähren, die mich als Privatperson betreffen. Wie die Öffentlichkeit nun wahrgenommen hat, werde ich mich parallel zu meinen Aufgaben in unserem Verein in den kommenden Wochen einer zweiten ehrenamtlichen Mission im kulturellen Bereich der Brauchtumspflege stellen.

In allererster Linie ist es ein Dankeschön an meine Frau Steffi, die seit vielen Jahren in der Gothaer Karnevals-Gemeinschaft 1969 e.V. mitgestaltet, dass wir zwei nun die Rolle des Prinzenpaares der Residenzstadt Gotha übernommen haben. Ein Dankeschön an sie, weil sie seit fast 30 Jahren mich immer und überall auf die Fußballplätze dieser Welt begleitet und mir besonders auch in den letzten Jahren den Rücken bei meiner Arbeit für unseren FSV Wacker 03 freigehalten hat.

Sich als Prinzenpaar der Residenzstadt Gotha zu präsentieren birgt Chancen und Risiken. Zu letzteren wurde ich besonders auch von der Presse in den letzten Tagen oft genug befragt, ob ich das zeitlich alles bewältigen kann. Hier gibt es ein klares „Ja!“ weil ich diese Entscheidung ansonsten nicht getroffen hätte. Den Zweiflern kann ich zusichern, dass ich zur Rückrunde wieder 100 % Wacker-Arbeit verrichte und in der Zeit bis dahin, also in der Winterpause der Fußballer, ganz hervorragende Leute um mich weiß, die unseren Verein auch in meiner teilweisen Abwesenheit in der Spur halten werden.

Vielmehr als das Risiko standen bei dieser bewussten Entscheidung für eine temporäre Mitarbeit im kulturellen Sektor die Chancen im Mittelpunkt, weil ich in der Zusammenarbeit von Vereinen mit unterschiedlichen satzungsgemäßen Aufgaben aber gleichen regionalen Rahmenbedingungen eine unabdingbare Notwendigkeit für die zukünftige Aufstellung und Finanzierung unserer Vereine sehe.

Was heißt das?

Wir alle teilen uns den gleichen Markt an Förderern, Spendern und Sponsoren und können daran auch keine oder nur wenige Veränderungen vornehmen.

Manche Vereine, besonders die des ländlichen Raumes, genießen in der engen Zusammenarbeit von örtlichen Organisationen und Gemeinschaften unterschiedlichster Art (Sportverein, Faschingsverein, Kirmesverein, Freiwillige Feuerwehr, Landfrauen, usw.) wegen der dort gegenseitig gewährten Unterstützung einen enormen Vorteil. Dies habe ich in der Vergangenheit schon mehrfach erwähnt und auch das können wir kaum beeinflussen, weil wir uns dieses Umfeld nicht erzeugen können.

Also sehe ich bei Vereinen wie dem FSV Wacker 03 Gotha, dem VC Gotha oder eben der Gothaer Karnevals-Gemeinschaft 1969 e.V. die Notwendigkeit der Zusammenarbeit, um das vorher Geschilderte zu kompensieren. Sich unabhängig des Vereinszieles zu unterstützen, personelle Hilfestellungen z.B. bei der Ausrichtung von Veranstaltungen und Feiern zu leisten, sich gemeinsam auch bei Stadt- oder Regionalfesten zu vermarkten und so vielleicht sogar zusätzliche Einnahmen zu generieren, darin sehe ich die Zukunft der Vereinsarbeit. Das darüber hinaus eine enorm wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernommen wird, indem Kinder sowohl zu sportlicher Aktivität als auch zur Pflege regional typischer Traditionen und Brauchtümer erzogen werden, ist nicht zu unterschätzen. Mit dem Christmas Fun haben wir bereits einen außergewöhnlichen aber erfolgreichen Weg in diese Richtung beschritten.

Solch neuartigen Dinge in die Köpfe von Vereinsverantwortlichen zu bringen, mögliche Synergieeffekte zu beschreiben und vielleicht sogar das Vereinswesen in unserer Stadt zu verändern, setzt aktives Handeln voraus. Veränderungen redet man nicht herbei, Neues wird nicht durch schlaues Reden akzeptiert und das häufig als Argument zu hörende „Das war schon immer so und muss auch so bleiben!“ wandelt man nicht, indem man Reformen beim Anderen erwartet.

Man muss es tun, selbst und zwar heute, damit morgen etwas besser sein kann.

Deshalb bin ich eben auch bereit, ein buntes Kostüm anzuziehen und gemeinsam mit meiner Frau Steffi ein Zeichen zu setzen. Dass Karneval darüber hinaus aber auch sehr viel Spaß macht und man anderen Menschen, besonders in Kindergärten und in Altenheimen etwas Gutes tut, ist gewiss nicht nur ein Nebeneffekt. Ich bin davon überzeugt, dass sich im Zuge der gesamtgesellschaftlichen Veränderungen auch das Vereinswesen verändern muss.

Aber nicht nur im allgemeinen Sinne ist das Vereinswesen von diesen Veränderungen betroffen, besonders auch die Fußballvereine unserer Stadt sollten über wesentlich mehr Gemeinsames reden und das auch praktizieren. Meiner Meinung nach trennt uns wirklich kaum etwas.

Wir beim FSV Wacker 03 haben in den vergangenen Jahren unser Auftreten in der Öffentlichkeit aber auch unser Wirken nach innen positiv verändert und das Image unseres Vereins enorm aufgewertet. Da, wo noch aus der Vergangenheit resultierende Ressentiments bestehen, stellen sich diese in sachlichen Gesprächen heute meist als unbegründet und aus der Vergangenheit ins Heute geholt heraus. Dieser Tage erst durfte ich diese Erfahrung bei einem interessanten Gespräch mit den Vorständen eines hiesigen Wohnungsunternehmens  machen. Man würdigt kurz die sportlichen Leistungen, ist dann schnell beim „Aber“ und befindet sich mit der Diskussion dann urplötzlich in den Jahren 2001 oder danach. Dass damals die in Personalunion als Vereinsverantwortlicher beim SV Wacker 07 und Geschäftsführer in der Wirtschaft agierenden Leute ihre eigenen Unternehmen im Alleingang zur finanziellen Unterstützung, speziell der Fußballer, genötigt haben, war gewiss nicht gut für den Ruf unseres Vereins. Dass auch später noch Spieler unter falschen Voraussetzungen nach Gotha gelockt und dann im Regen stehen gelassen wurden, Verabredungen nicht ein-, dafür die Hände bei Sponsoren immer weiter aufgehalten wurden und man letztlich selbst andere Vereine der Stadt bei Vertragsgeschichten schlecht behandelte, war jedoch nie Vereinsphilosophie von Wacker sondern es waren immer Alleingänge einzelner Personen. Sie zogen ihre Rechtfertigung für ihr destruktives Handeln und für persönliche Vorteile aus der Tatsache, dem Verein schließlich auch genug gebracht zu haben und sie sind uns bekannt.

Selbstverständlich fehlten Kontrollgremien, natürlich wurde die Aufsichtspflicht durch den Verein oft nicht richtig wahrgenommen  und deshalb war das Entstehen negativer Meinungen auch größtenteils hausgemacht oder wollte in der Oberliga-Euphorie damals vielleicht auch gar nicht gesehen werden.

Aber genau aus diesem Grund haben wir heute auch eine andere Struktur aufgebaut und genau aus diesem Grund suche ich täglich das Gespräch mit den Menschen. Genau deshalb ist es notwendig und auch aktuell, dass in unserer Stadt nicht wieder ein Verein die Existenz der anderen durch Dominanz bedroht. Um das zu vermeiden, möchte ich miteinander reden und nicht übereinander. Genau darum haben wir in den letzten drei Jahren das Christmas Fun weiter entwickelt  und genau aus diesem Grund arbeite ich auch als Karnevalsprinz in einem anderen, einem befreundeten Verein mit.

Liebe Wacker-Mitglieder, liebe Freunde des Vereins,

am Ende dieses Jahres darf unser FSV Wacker 03 Gotha erneut auf ein erfolgreiches Sportjahr zurückblicken.

Mit zwei von vier möglichen Titeln eines Thüringer Landesmeisters im Nachwuchsbereich „Großfeld“, einer Pokal-Endspielteilnahme unserer Zweiten und dem Wiederaufstieg unserer Ersten Mannschaft in Thüringens höchste Spielklasse haben wir unsere Vorhaben überboten und die konsequente Umsetzung unseres vor etwas mehr als drei Jahren begonnenen Neuaufbaus erfolgreich weitergeführt.

In unserer Thüringenliga-Elf (I. Männer) stehen 15 junge Männer aus Gotha kommend, die hier ihre schulische, berufliche und sportliche Ausbildung erfuhren und dank der gegebenen Trainings- und Wettkampfbedingungen mit der Hilfe vieler Förderer unseres Vereins auch hier in Gotha und beim FSV Wacker 03 gehalten werden konnten. Im Laufe des Jahres konnten wir die Situation in unserer II. Männer weiter stabilisieren und hier immer mehr Jugendspieler mit der Perspektive „Verbandsliga“ integrieren. Und nicht zuletzt haben wir die Sanierung des Gesellschaftsbaus im Klaus-Törpe-Sportpark soweit vorantreiben können, dass die Realisierung in greifbare Nähe gerückt ist. Es hieße wahrlich tief zu stapeln, wenn man das Jahr 2016 nicht als außergewöhnlich erfolgreich bezeichnen würde.

Für die Fortschreibung dieser erfolgreichen Wacker-Kapitel auch im kommenden Jahr wünsche ich besonders unseren Trainern und Übungsleitern Gesundheit, Wohlergehen und weiter viel Motivation bei ihren schweren Aufgaben als Fußballlehrer. Ich darf erinnern, ca. 10 bis 14 Stunden (je nach Altersklasse) wenden unsere Übungsleiter pro Woche für die Ausbildung und Betreuung unserer Fußballer auf. Das entspricht mehr als nur einem Ehrenamt, kommt mindestens den Anforderungen eines 450 €-Jobs entgegen und potenziert sich in seiner Bedeutung durch die hohe Verantwortung, die wir ihnen als Verein aber auch die Sie und  ihr als Eltern ihnen aufbürden. Mein großer Dank gilt deshalb besonders DEN Eltern, die durch ihre Einsatzbereitschaft bei Mannschafts- und Vereinsfesten, beim Herbstputz oder an anderer Stelle hilfreich die Vereinsarbeit unterstützen und damit die Trainerarbeit wertschätzen.

Für das neue Jahr wünsche ich uns, dass sich die Entwicklung zu noch mehr Engagement und die sportlichen Erfolge fortsetzen.

Ich wünsche uns aber auch, dass unsere Freunde mehr und die Wacker-Kritiker weniger werden. Dennoch erbitte ich für uns auch weiterhin sachliche Kritik das Heute betreffend, die bei der Erfüllung unserer Aufgaben immer helfen kann.

Ich wünsche uns außerdem für das Jahr 2017, dass sich ein Arbeitskreis „Fußball in Gotha“ gründet, der sich für den Ausbau des Vereinenden, den Abbau des Trennenden und somit für die Weiterentwicklung der Gothaer Fußballvereine verantwortlich fühlt.

Ganz sicher gibt es jedoch auch noch etwas viel Größeres, was ich mir wünsche. Dass sich nämlich der Sport nicht aus den politischen Problemen unserer Zeit heraus hält und wir beim FSV Wacker auch weiterhin das Vereinende von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität in den Mittelpunkt unseres wundervollen Miteinanders stellen. Gerade das vor Tagen in Berlin Geschehene macht diesen Wunsch aktueller denn je. Ich werde jedenfalls meine Hoffnung nicht aufgeben, dass die Vernunft der Menschen irgendwann siegen wird. Gerade deshalb werden wir hier in unserem Verein, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln weiterhin versuchen, gegen solch Wahnsinn ermöglichende Philosophien bereits im Ansatz vorzugehen aber auch pauschalisierenden Vorverurteilungen konsequent zu begegnen.

Vor allen Dingen wünsche ich jedoch Ihnen und euch von ganzen Herzen zunächst ein paar schöne Feiertage, einen guten Rutsch ins neue Jahr und das dieses 2017 jedem Einzelnen von Ihnen und euch Gesundheit, Kraft, Erfolg und alles erdenklich Gute bringen möge.

Bleiben Sie uns gewogen! 

Ihr und euer Thomas Fiedler

Wacker voran!

Quelle Fotos: www.mein-schoener-garten.de und www.bibliothekarisch.de