Nach viel Nehmen folgt nun ein dankbares Geben

Thomas Fiedler, 17.12.2020

Nach viel Nehmen folgt nun ein dankbares Geben

Die Sportler des FSV Wacker 03 Gotha übergeben gesammelte Spenden für die Stadtwerke Sportstiftung und die Kulturstiftung Gotha

Die Spieler, Trainer und Vereinsmitarbeiter haben in einer beispiellosen Aktion Geld zur Unterstützung von zwei Gothaer Stiftungen gesammelt, sagen damit Danke für die Sport- und Kulturpolitik in ihrer Heimatstadt und haben die Spendenschecks am Donnerstag, dem 17.12.2020 anlässlich der Pressekonferenz des Oberbürgermeisters vor dem Gothaer Rathaus übergeben.

Sie setzen in dieser so schwierigen aber auch bewegenden Zeit ein Zeichen, indem sie an den Menschen von nebenan, egal ob Sportler oder Kulturinteressierten denken.

Es ist ein allseits bekanntes Ritual, dass sich unser Verein jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit ein paar netten Zeilen und kleinen Präsenten bei den Sponsoren und Unterstützern bedankt. Im November erreichte den Vorstand die Anfrage unserer Männermannschaften, ob wir dieses Jahr nicht vielleicht auf die Präsente verzichten und stattdessen die dafür reservierten Beträge spenden könnten. Sie, die Sponsoren, würden dass sicherlich verstehen und begrüßen.

Am Anfang war es also einfach nur diese Idee der Wackerspieler.

Ein paar Tage später wurde die Idee vom Mannschaftsrat durch das Angebot erweitert, sich auch persönlich an einer solchen Spendenaktion beteiligen zu wollen. Der Vorstand begrüßte diese Aktion und gab an die Spieler die Bitte zurück, sich über den Empfänger einer solchen Spende zu einigen. Das Ergebnis war überraschend, war der Vorstand doch davon ausgegangen, dass hier Kindereinrichtungen sicher den Vorzug erhalten würden. Weit mehr als die Hälfte unserer erwachsenen Spieler hatte jedoch eine ganz andere, dafür aber umso gefestigtere Meinung. Sie entschieden sich dafür, eine symbolische Unterstützung denen zukommen zu lassen, die letztendlich schon seit langer Zeit für die Existenz und das Wohl der Gothaer Sportvereine verantwortlich zeichnen.

Die Stadtwerke Sportstiftung Gotha wurde als eindeutiger Favorit erklärt. Die Argumentation für diese Entscheidung war mehr als schlüssig. Erstens, so formulierte es der Mannschaftsrat, sind wir immer schon ein Nehmer und somit Profiteur dieser Stiftung. Zweitens müssen wir schon eingestehen, dass die Auswirkungen der Pandemie uns Fußballer als Freiluftsportler weit weniger getroffen haben, als Sportarten, die in Sporthallen ihrem Hobby nachgehen müssen. Schließlich besitzen die dort fehlenden Eintrittsgelder aufgrund des ausgesetzten Zuschauerbesuches eine größere Wertigkeit, als bei uns Fußballern. Und Drittens sei es ja letztendlich privat von jedem einzelnen Spieler gesammeltes Geld, womit auch die Rechtfertigung für diesen Entscheid zu begründen sei.

Ein zusätzlicher Hinweis kam noch.

Besonders die reiferen Spieler gaben zu bedenken, dass der Sport nur einen Teil unserer Gesellschaft ausmacht und ähnlich wie die Hallensportler, auch die Gothaer Kultur unter den Pandemieauswirkungen leidet. Auch den Museen fehlen die sonst in Scharen kommenden Besucher und somit fest eingeplante Einnahmen. Nicht zuletzt hat die „Rückholaktion“ des Gothaer Oberbürgermeisters Knut Kreuch, der im Jahr 1979 bei einem spektakulären Raub gestohlenen vier Gemälde auch bei uns Fußballern Eindruck hinterlassen und kulturelles Interesse geweckt.

Fußballer sind eben nicht nur Grobmotoriker und sehr wohl auch kulturell interessiert. „Lasst uns“, so die Worte der Fürsprecher, „also auch die Ausstellungen in Schloss und Museum nicht vergessen. Die Kulturstiftung Gotha ist auf jede Unterstützung angewiesen und daher auch dankbar für jeden Euro, um weitere für Gotha bedeutende Güter wieder anzukaufen.“

Gerade diese Argumentation ist charakteristisch für den FSV Wacker 03 Gotha. An die Kultur in deiner Heimatstadt denken kann man eben nur, wenn man seinem Sport in dem Ort nachgeht, wo man auch seinen Lebensmittelpunkt hat.

Sport trifft Kultur! Treffender könnte man unser Anliegen nicht beschreiben.

Nein, der FSV Wacker 03 Gotha hat nicht zu viel Geld aber seine Sportler besitzen genug Empathie, um über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Während wir unsere durch die Pandemie bedingten finanziellen Ausfälle im Frühjahr (z.B. Wegfall von Eintrittsgeldern zuschauerträchtiger Spiele) durch eine eigens initiierte Spendenaktion des Verkaufs virtueller Eintrittskarten kompensieren konnten, ist durch die erneute Aussetzung des Spielbetriebes im Herbst kaum finanzieller Verlust entstanden. Etwas zurückzugeben an die, die sonst für uns Geben, ist die logische Konsequenz. Die Aktion unserer Spieler ist somit eine einfache und bescheidene Geste. Nicht mehr und nicht weniger ist der Grundgedanke hinter dieser Aktion. Eine Symbolik also, schließlich geht es nicht um Tausende von Euro.

Unsere Spieler, Trainer und der Vorstand versuchen damit ein weiteres Zeichen für das Miteinander der Gothaer Sportfamilie zu setzen. Erst im Spätsommer haben wir freiwillig auf die Beantragung etlicher Hallenzeiten für das Training unserer Kinder und Jugendlichen verzichtet, damit den typischen Hallensportarten mehr Nutzungszeit zur Verfügung steht. 

Wir sehen uns mit diesen symbolischen Spenden im Einklang mit den derzeitigen und Corona bedingten Anforderungen an die gesamte Menschheit. Es ist der freiwillige Verzicht auf gewohnte Einnahmen, Abläufe oder Lebensweisen, um den Schutz Anderer zu gewährleisten. Dafür stehen wir als Sportler des FSV Wacker 03 Gotha.

Wir wünschen allen Gothaern eine schöne Weihnachtszeit, bleiben Sie gesund!

Wacker voran!