Wünsche für die Zukunft

Thomas Fiedler, 10.12.2021

Wünsche für die Zukunft

Liebe Freunde und Wegbegleiter,

Wünsche, gerade zum Weihnachtsfest, sind legitim. Sie sind, egal ob ausgesprochen oder geheim gehalten, der Ausdruck, dass man etwas Materielles bekommt oder etwas Ideelles geschehen möge. Bitte gestattet mir deshalb, dass ich euch meine Wünsche offenbare.

Ich wünsche mir, dass wir und unsere Familien und Freunde alle im neuen Jahr gesund bleiben.

Ich wünsche mir, dass wir unsere gesteckten Ziele im Verein erreichen.

Ich wünsche mir, dass wir an Bewährtem festhalten und unsere Stärken ausbauen.

Ich wünsche mir und gerade das scheint mir in der heutigen Zeit wichtiger denn je, dass wir trotz aller Unterschiedlichkeit im Denken respektvoll miteinander umgehen und kritische Bemerkungen als gut gemeinte Hinweise nicht einfach abtun, sondern sie als solches zumindest überdenken.

Und es ist mein Wunsch, dass vieles davon deckungsgleich mit euren Wünschen sein möge, zum Wohle und weiteren Wachsen unseres großartigen Vereins FSV Wacker 03 Gotha.

Gleichzeitig möchte ich mich im Namen des Vorstands und auch ganz persönlich bei jedem Einzelnen von euch für euren Einsatz im Jahre 2021 bedanken. Danke für eure Mitarbeit, eure Kritik, euren Einsatz und eure Unterstützung. Dieser Dank ist an alle Trainer und Übungsleiter, alle Spieler, alle Betreuer, Eltern, Omas und Opas, Spielerfreundinnen und -frauen, an den Seniorenbeirat, an unser Catering-Team, die Ordner, Kassierer, den Funktionären und besonders auch an unsere Spender und Sponsoren gerichtet. Ohne euch alle wäre alles nichts.

Ihr seid der Verein!!!

Von ganzem Herzen vielen lieben Dank.

 

Damit möglichst viel von den eingangs geäußerten Wünschen in Erfüllung geht, erlaube ich mir zum Jahresende hin ein paar Gedanken zu äußern. Es sind meine Gedanken, die keineswegs Anspruch auf 100%ige Akzeptanz aller Leser haben können und unter diesem Gesichtspunkt möchte ich sie auch verstanden wissen. Wer sich die Zeit zum Lesen nehmen möchte, ist ab hier recht herzlich dazu eingeladen.

All das nun Folgende steht im Fokus der gewiss auch auf unseren Verein einwirkenden äußeren Einflüsse. Da ist die Pandemie, die in unser aller Leben schon viel zu viel Platz einnimmt und ich ihr genau aus diesem Grund hier nicht die Befriedigung gebe, noch mehr Platz zu erhalten.

Aber auch persönliche Schicksalsschläge wirken auf uns ein. Da ist es der geliebte Partner, Opa und zuverlässige Wegbegleiter, dessen Leben plötzlich zu Ende gegangen ist. Da gibt es Trennungen vom Ehe- oder Lebenspartner. Es gibt Familienangehörige, die schwer erkrankt sind und unsere Zeit sowie Aufmerksamkeit nun mehr als normal beanspruchen. Es gibt schulische Probleme, auch mal ein zu Bruch gegangenes Ausbildungsverhältnis oder auch Verletzungen, die den Betroffenen zurückwerfen. All das wirkt auf uns ein, wenn wir mehrmals wöchentlich hier her zu Training oder Spiel kommen. Es wirkt auf uns, wenn wir zwar bereit sind, dass Beste zu geben aber auf Grund der Umstände nicht fähig sind, dies auch abzurufen.

Ein Spruch sagt: „Leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere Pläne zu schmieden.“

Ja, wir schmieden Pläne beim FSV Wacker 03 Gotha. Viele Pläne, große Pläne. Manchmal beeinflusst uns dabei jedoch das Leben und nicht immer positiv.

Aber genau darum gibt es uns Trainer und Funktionäre, uns Eltern und Großeltern, um diese Dinge zu berücksichtigen. Wir können sie weder ignorieren, noch vermeiden. Es ist aber unserer menschlichen Qualität, unserer Sozialkompetenz geschuldet, wie wir damit umgehen, wie wir Betroffenen das Gefühl geben, aus ihrem Tief, ihrer Trauer, ihrer Wut wieder herauszukommen. Manchmal geht das im ganz kleinen Kreis, individuell z.B. zwischen Trainer und Spieler, ohne das Dritte überhaupt davon Kenntnis erlangen und manchmal steht ein ganzes Team in der Verantwortung, aufkommende Probleme zu be- oder zu verarbeiten.

In einem guten Team sind die Verantwortlichkeiten der einzelnen Mitglieder eng miteinander verbunden. Jedes Teammitglied muss unmissverständlich wissen, was wir von ihm erwarten und was es von den anderen Teammitgliedern erwarten kann. So entsteht ein transparentes Ganzes, in dem die Kompetenzen und die Fähigkeiten aller zur Geltung kommen können. Zögern Einzelne jedoch, sich zu äußern, hat dies angespannte Beziehungen innerhalb des Teams und nicht ausgesprochene Ideen zur Folge. Stellt man so etwas in seiner Mannschaft fest, sollte sich der verantwortliche Trainer Hilfe holen, Dritte einschalten, das Thema enttabuisieren. Kein Mensch dieser Welt kann jedes Problem ganz allein lösen.

Was passieren kann, weil man anfangs Vermutungen anstellte, nicht konsequent handelte oder davon ausging, dass alles schon gut werden würde, müssen wir alle gesamtgesellschaftlich ganz bitter in dieser Zeit erfahren. Wir sollten also stets die Stimmung im Team im Auge behalten, indem wir uns immer wieder, täglich neu, symbolisch oder physisch mit allen an einen Tisch setzen und wie ein Seismograf jede Stimmungsschwankung beim Einzelnen aufnehmen. Nicht immer ist eine Reaktion notwendig aber unverzichtbar ist die Erkenntnis, dass eventuell irgendwo etwas nicht in Ordnung sein könnte oder jemand ein für ihn unlösbares Problem mit sich rumträgt.

In diesem Zusammenhang erscheint es mir außerdem wichtig, jeden Menschen dorthin zu stellen, wo er für das Team den größtmöglichen Nutzen bringt. Dabei vertrete ich die Meinung und versuche es in meiner beruflichen Tätigkeit auch umzusetzen, dass es viel wirkungsvoller ist, Stärken zu fördern statt Schwächen zu verbessern. Da diese Denkweise große Auswirkungen hat, sollten wir uns gemeinsam darum bemühen, Stärken und Schwächen beim Einzelnen auch in einem positiven Wording zu äußern.

Ein Beispiel, mal weg vom Fußball und hin zu meiner Arbeitspraxis, mag das verdeutlichen. Natürlich kann ich meinem Team sagen, dass Mitarbeiter X nicht mit Tabellen umgehen kann, weil er das Programm MS Excel nicht so gut beherrscht. Ich kann ihm aber im Wissen um seine Stärken eine andere Aufgabe zuweisen, indem ich ihm sage, dass er im zu bearbeitenden Projekt die Gestaltung der Diagramme übernehmen soll, weil er sehr kreativ ist. Das mag nur eine scheinbar kleine Veränderung in der Wortwahl sein aber diese andere Formulierung kann einen bedeutenden Unterschied auf das Verständnis und die Akzeptanz des gesamten Teams ausmachen.

Vor allem aber kann eine positivere Wortwahl dem Aufkommen von Konflikten sogar vorbeugen. Vergessen wir nicht, dass Konflikte aber nicht immer schlecht sind. Sie sind erforderlich, um bessere Voraussetzungen zu schaffen, um uns auf Fehlverhalten hinzuweisen und nicht zu vergessen, die Stärken aller Beteiligten zu nutzen. Wichtig ist, wie wir mit Konflikten umgehen. Der Trainer z.B. muss seine Spieler ermuntern, dass sie ihre verschiedenen Ansichten freimütig äußern, damit das Team auf respektvolle Weise über die Ansichten und Vorstellungen des Einzelnen informiert ist und dann darf nach einer vielleicht unbedachten Äußerung, diesem auch kein Nachteil entstehen. Jeder hat einen anderen Blickwinkel und damit existieren immer auch verschiedene Sichtweisen.

Manchmal hilft es in einer Konfliktsituation schon, gedanklich den Platz des Anderen einzunehmen.

Der „Vorgesetzte“ sollte also danach streben, sein Team wirklich zu verstehen, regelmäßig die Fortschritte und allgemeine Stimmung überprüfen und die Unterschiede zwischen den Teammitgliedern mit Respekt und in einem positiven Licht darstellen.

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen sich Spieler nicht so verhalten, wie man es sich als Verantwortlicher wünscht und selbstverständlich muss man dann einschreiten. Aber wenn wir ehrlich sind, richtige Quertreiber haben wir doch in den letzten Jahren nicht gehabt. Wir haben es mit Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zu tun, die auch mal Fehler machen dürfen, die man einem 40jährigen vielleicht nicht verzeihen würde. Bleiben wir also verständnisvoll und normal und schießen wir doch nicht mit Kanonen auf Spatzen. Außerdem zeigt sich doch gerade im Umgang mit schwierigen Charakteren die Qualität einer Führungskraft.

Eine Mannschaft, in der jeder Spieler immer 100% gibt, alle und immer zum Training da sind und diejenigen, die nicht oder nicht von Anfang an spielen auch gern auf der Wechselbank sitzen, weil ja die besten Spieler auflaufen sollen, die könnte auch ich trainieren. Da es das aber leider in der Realität nicht gibt, bin ich auch kein Trainer.

Und gute Führungskräfte im Trainerbereich sind bei uns doch zur Genüge vorhanden. Wenn ich mich hier auf den Männerbereich beschränke, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass wir mit Alexander Ludwig, Lars Bethmann, Ralf Erdmann, Richard Kirchner und Lukas Bethmann erstklassig besetzt sind. All die hier genannten Sportfreunde haben mein vollstes Vertrauen, dass wir unsere gesteckten Ziele mit ihrer Arbeit immer noch erreichen können, selbst bei 7 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer in der Landesklasse.

Aber auch als Trainer macht man nicht immer alles richtig. Das ist normal, ist menschlich und erfordert lediglich die Bereitschaft, sich auch selbst zu hinterfragen, damit in einer neuen Situation besser, transparenter und routinierter reagiert werden kann. Machen wir uns nichts vor: Nur ganz, ganz selten liegt in einer schlecht gelungenen Sache der Fehler immer nur auf einer Seite oder bei einer Person. Mit dem Bild der Wahrnehmung hatte ich das weiter vorn schon unterstrichen, absolute Wahrheit gibt es nicht.

Aus den eigenen Fehlern lernt man meistens mehr, als aus den Erfolgen. Ist etwas schief gegangen, stelle ich für mich zunächst folgende Behauptung auf: Wenn Du ein Problem hast, bist du meistens in der Nähe!

Dann kommt die Analyse des Ichs und die Beantwortung der Fragen

  • Haben wir nicht richtig miteinander kommuniziert?
  • Habe ich nicht ausreichend Wertschätzung verteilt?
  • Habe ich dem Gegenüber nicht deutlich genug gesagt, wo die Grenzen sind?
  • Habe ich den Anderen nicht gefragt, was genau er denn anders machen würde, wenn er nun schon so viel zu meckern hat?
  • Habe ich nicht erforscht, worum es dem Anderen bei all der Nörgelei eigentlich wirklich geht?
  • Habe ich in der Vergangenheit zu wenig zugehört und mich zu wenig für seine wirklichen Probleme interessiert?

Meiner Erfahrung nach ermöglicht die Beantwortung dieser Fragen eine Reflexion auf mich selbst und bietet den Raum für eine sachlichere und vernünftigere Verhandlungsführung. Dabei ist es vollkommen ausreichend, wenn nur ich diese Reflexion für mich selbst betreibe. Ich kann immer nur mich selbst, niemals den Gegenüber ändern.

Liebe Wackeren,

was soll nun die Botschaft sein?

Es ist das einfache Ansinnen, dass wir uns ständig und stetig hinterfragen, was wir tun können, damit wir alle besser werden. Zunächst gilt das für den Präsidenten selbst. Des Weiteren für die Mitglieder des Vorstands, der Nachwuchsleitung, für die Trainer aber auch die Spieler jeglichen Alters. Nicht zuletzt aber auch für die Eltern, Großeltern, die Spielerfrauen und Spielerfreundinnen. Wir brauchen euch als Kritiker und Informanten auf Augenhöhe und geprägt von gegenseitigem Respekt vor der Arbeit und der Leistung des Anderen.

Wir brauchen die Akzeptanz des Zuschauenden, dass der Trainer eine Philosophie hat und es nicht immer (im Kinder- und Jugendbereich) nur um drei Punkte geht. Der Trainer braucht in einem Verein das größte Vertrauen.

Wir brauchen die Erkenntnis, dass ein Team heterogen zusammengesetzt sein muss, indem eine möglichst große Breite an Charakteren vorhanden sein sollte.

Deshalb brauchen wir in den Teams den oder die Anführer, Spaßmacher, Erfahrene und Gipfelstürmer. Wir brauchen aber auch Innovatoren und Visionäre, Analytiker und einfach Machende. Es werden Spezialisten benötigt, die bestimmte fachliche oder technische Skills mitbringen, auch wenn sie häufig einen Tunnelblick in Bezug auf ihre Expertise haben und manchmal das Gesamtziel der Gruppe aus den Augen verlieren und in jedem Team gibt und muss es auch die Beobachter geben. Sie sind oft skeptisch, ziehen sich schnell zurück und halten meist ihre Meinung geheim. Doch weder Spezialisten noch Beobachter sind weniger teamfähig, sondern für Heterogenität und damit für Erfolge wichtig.

Dem Trainer oder Trainerteam obliegt es, daraus eine Einheit zu formen. Dafür benötigen sie Laufruhe, Unterstützung und gerade, wenn es einmal nicht so läuft wie geplant (das Leben also auf sie einwirkt), auch einen gewissen Vertrauensvorschuss.

All das, liebe Wackeren, sind die Gedanken eines Präsidenten am Jahresende. Sie müssen nicht in ihrer Gänze richtig sein und außerdem ist es auch nicht so, dass ich in meiner Arbeit immer alles 1 zu 1 so beherzige, wie ich es hier in der Theorie so schlau von mir gebe. Wichtig ist es nur, sich die Inhalte und Ziele, die Ideen, die hier dahinterstehen, immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Es ist nötig, um besser zu werden und genau an dieser Stelle passt nichts geigneter, als ein Zitat des 2001 verstorbenen Industriellen Philip Rosenthal:

„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch eine schöne Weihnachtszeit, erholsame Feiertage, vielleicht ein paar Tage Urlaub und ein gesundes, neues Jahr 2022.

Ihr und euer Thomas Fiedler