20. Jahrestag der Vereinsneugründung zum FSV Wacker 03 Gotha
Thomas Fiedler, 04.04.2023
Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren FSV Wacker 03 Gotha
und alles Gute für die Zukunft.
Besinnend auf die Traditionen der 116-jährigen Geschichte unseres Vereins begehen wir am
10. April 2023 die 20. Wiederkehr der Gründung des FSV Wacker 03 Gotha.
Mag man es nun als Ausgründung, Neugründung oder wie auch immer bezeichnen, letztendlich ist nicht der juristische Akt, sondern das Besinnen auf die Ideale unserer Urgroßväter an diesem Jubiläumstag wichtig. Sie hatten im Jahre 1907 ausschließlich die Ausübung des Fußballsports im Sinn, sie schufen mit ihrer Hände Arbeit den Wacker-Park, das heutige Volkspark-Stadion und sie gaben den nachfolgenden Generationen die Aufgabe mit auf den Weg, diese Sportanlage, die Ideen des Fußballs und alle damit verbundenen Werte in diesem, unseren Sportverein zu bewahren.
Dieser Beitrag soll vor allem noch einmal in Erinnerung rufen, warum vor zwanzig Jahren ein neuer Vereinsname notwendig war.
Der Euphorie des Oberligaaufstiegs 2001 folgte zu Beginn des neuen Jahrtausends große Ernüchterung. Zwar blickte man auf die erste Oberligasaison 2001/2002 erfolgreich zurück, doch schon im zweiten Oberligajahr stieß der Verein finanziell und somit auch sportlich an seine Grenzen. Als eine von vielen Sportarten im Mehrspartenverein SV Wacker 07 Gotha waren die erhöhten Ausgaben im semiprofessionellen Oberligageschäft der Fußballer nicht mehr stemmbar und gegenüber den anderen Sportarten auch nicht mehr zu vertreten. Der Großverein Wacker 07 steuerte in dieser Phase mehr oder weniger führungslos auf den Abgrund zu. Einige wenige Sportfreunde bei den Fußballern nahmen jedoch das Zepter in die Hand und es wurde die Idee geboren, die Fußballabteilung aus diesem Großverein SV Wacker 07 Gotha auszugründen und einen eigenen, reinen Fußballverein aus der Taufe zu heben.
Was damals wirklich geschah
Für die Ausgründung der Fußballer war juristischer Beistand von Nöten und so wurde ein Erfurter Rechtsanwalt aus purem Zufall zum Gründungsanwalt des Vereins, weil die Frau des damaligen Wacker-Sicherheitsbeauftragten Mario Darr in der Rechtsanwaltskanzlei Gehret in der Landeshauptstadt arbeitete. Dass diesere Anwalt später sogar selbst einmal Präsident und auch Vize-Präsident werden würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellbar.
Hallo Christian, als Wegbegleiter und damaliger Zeitzeuge wollen wir heute mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Schließlich lädt so ein Geburtstag ja auch zum Erinnern ein. Wie wird man als ein auf Verkehrsrecht spezialisierter und außerordentlich erfolgreicher Anwalt zum Vereinsrecht-Juristen?
Ja, spannende Frage. Ich habe damals meine Hilfe angeboten, noch nicht ahnend, worauf ich mich damit eingelassen habe. So kam es, dass ich mich einige Tage, nachdem mich Frau Darr angesprochen hatte, erstmals auf den Weg nach Gotha machte um den altehrwürdigen Klaus-Törpe-Sportpark aufzusuchen. Dort im alten Vereinsheim trafen sich die Wackeren, die sich fest vorgenommen hatten, das drohende Ende des Wacker-Fußballs abzuwenden. Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern, wer alles an dieser Zusammenkunft teilgenommen hat. Wortführer war jedoch eindeutig Klaus Baumbach, unterstützt von Peter Schubert und ich denke auch Bernd Vollkenannt. Anwesend war auch Olaf Kalkkuhl, der zu diesem Zeitpunkt in Personalunion als Trainer der 1. Mannschaft, als Sportlicher Leiter und auch als Sponsor fungierte. Ich meine, dass auch Guido Fischer anwesend war, den ich zuvor nicht kannte und von dem ich auch nicht wusste, wie er eigentlich zu Wacker gestoßen ist. Es wurde rege diskutiert, wie der Fußball bei Wacker gerettet werden könne. Alle waren sich einig, dass hierzu ein eigener Verein gegründet werden müsse. Ich erklärte darauf, dass hierfür eine Satzung formuliert und zeitnah eine Gründungsversammlung stattfinden muss, damit der neue Verein so schnell wie möglich ins Vereinsregister eingetragen werden kann. Dies war die Grundvoraussetzung, dass der neue Verein in der kommenden Spielzeit am Spielbetrieb würde teilnehmen können. Ich wurde von der Versammlung daraufhin mit der Erstellung der Satzung beauftragt. Des Weiteren wurde ich beauftragt, mit dem Thüringer Fußballverband (TFV) in Kontakt zu treten und abzuklären, ob der neugegründete Verein so ohne weiteres den Fußball-Spielbetrieb des SV Wacker 07 Gotha fortführen kann. So kam es, dass ich zwei Tage später beim Sportfreund Hans-Günter Hänsel, damals Hauptgeschäftsführer des TFV, im Büro saß und das Anliegen vortrug. Dieser zeigte sich erfreut, dass sich endlich eine juristisch kompetente Person in der Causa Wacker Gotha bei ihm meldete. Er habe die Vorgänge bei Wacker mit wachsender Besorgnis beobachtet und befürchtete das Schlimmste. Er erläuterte mir sodann, dass der neue Verein den Spielbetrieb in den bisherigen Klassen nur unter der Voraussetzung fortführen könne, wenn wir eine schriftliche und notariell beglaubigte Vereinbarung mit Wacker 07 vorlegen können, wonach Wacker 07 alle Mannschaften mit Spielrecht auf den neuen Verein überträgt und selbst auf das Startrecht in den bisherigen Spielklassen verzichtet.
Welche Sisyphus-Arbeit sich damit vor dem Anwalt Gehret auftat, kann man aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehen. Es verblieben ihm zwei Wochen Zeit, um alle erforderlichen Unterlagen wegen des bevorstehenden Meldeschlusses beim Thüringer Fußballverband einzureichen und Sportfreund Hänsel war garantiert nicht der Einzige, der dies alles aufgrund der Kürze der Zeit nicht mehr für durchführbar hielt. Doch Christian hatte Blut geleckt.
Kläre uns bitte mal auf, Christian. Ist es für einen Juristen schwer, sich auf ein bisher wenig bearbeitetes Rechtgebiet zu begeben?
Ja, ich habe mich damals juristisch auf völliges Neuland gewagt, da mir das Fußballgeschäft bis dahin völlig unbekannt war. Aber manchmal muss man handeln. Einer meiner Jura-Professoren nannte das die Ranger-Theorie: auf unbekanntem Rechtsgebiet ausgesetzt werden und dann durchschlagen! Ich denke, wir haben es ganz gut hinbekommen.
In Windeseile wurde die Satzung gestrickt, sofort und auf kürzestem Wege die Gründungsversammlung im Törpe-Park abgehalten und mit dem unvergessenen und kürzlich leider viel zu früh verstorbenen Klaus Baumbach ein mutiger Mensch als Gründungspräsident gefunden. Die Gründungsversammlung legte sodann den Namen des neuen Vereins auf „FSV Wacker 03 Gotha“ fest. Der Name lehnte sich dabei bewusst nahe an den bisherigen Vereinsnamen an, um einen Wiedererkennungswert zu erzielen. Man war sich einig, dass die Wacker-Fußballtradition mit dem neuen Verein weitergeführt werden soll und Klaus Baumbach veranlasste kurzerhand über das Notariat Döbereiner die Anmeldung des Vereins im Vereinsregister.
Doch die wichtigste und von den Pionieren des neuen Vereins kaum beeinflussbare Entscheidung stand noch aus, weil die Konditionen des SV Wacker 07 für das „Ja“ zum Austritt der Fußballer noch unbekannt waren. Auch hier nahm Christian Gehret parallel zu allen anderen Aufgaben das Zepter des Handelns an sich und setzte sich mit dem amtierenden Vorsitzenden des SV Wacker 07, Sportfreund Creutzburg in Verbindung.
Also Christian, tratest du den Gang nach Canossa an. War es wirklich ein Bitt- und Bußgang oder was ergab denn das Gespräch mit Sportfreund Creutzburg?
Bitten und Buße tun wäre sicher zu viel gesagt aber ein taktisch kluges Vorgehen ohne gegenseitige Vorwürfe in der Argumentation zu provozieren, war schon nötig. Schließlich wollten wir das Spielrecht für alle Mannschaften und er erklärte, dass Wacker 07 die Fußballer unter der Voraussetzung ziehen lassen würde, wenn der neue Verein sämtliche Verbindlichkeiten des SV Wacker 07 Gotha übernimmt, die von der Fußballabteilung verursacht worden waren.
Du warst ja bestimmt über die ungefähre Größenordnung informiert? Konntest du die Bedingungen sofort und uneingeschränkt akzeptieren?
Ich habe vor allem darauf bestanden, dass diese Verbindlichkeiten einzeln aufgelistet werden, damit wir genau wissen, um welche Einzelforderungen es geht. Eine Generalschuldenübernahme habe ich strikt abgelehnt, weil dies am Ende einem Fass ohne Boden gleichgekommen wäre. Diese Liste wurde sodann von Frau Salewski, der damaligen Schatzmeisterin des SV Wacker 07 zugearbeitet und als Bestandteil der Vereinbarung wieder im Notariat Döbereiner beurkundet.
Betrachtet man die Geschehnisse aus der Retrospektive, kam es schon einem Wunder gleich, dass es den handelnden Personen innerhalb von wirklich nur knapp zwei Wochen gelang, alle vom TFV geforderten Vereinbarungen und Unterlagen fristgerecht vorzulegen. Somit konnte der frisch gegründete FSV Wacker 03 Gotha e.V. tatsächlich in der Saison 2003/04 mit allen bisherigen Mannschaften in den gewohnten Spielklassen antreten. Die 1. Mannschaft hatte zwar den Klassenerhalt in der Oberliga sportlich verfehlt, konnte aber immerhin in der Thüringenliga antreten, wo sie in den kommenden Jahren stets eine bestimmende Rolle spielen sollte und sich immer auf eigens ausgebildeten Nachwuchsspieler besann.
Lass uns noch einmal an deine Mitstreiter von damals denken. Ein paar Namen wurden ja schon genannt und mit vielen hast du bis 2018 ja auch in deinen verschiedensten Vereinsämtern weiter zusammengearbeitet. Bis heute bist du mit unserem FSV Wacker 03 verbunden, an wen erinnerst du dich besonders?
Diese Gründungsphase war durchaus turbulent und von großem Zeitdruck geprägt. Ohne die persönliche Initiative von Klaus Baumbach und seinen Mitstreitern wäre das alles nicht möglich gewesen. Auch Sportfreund Olaf Kalkkuhl hat in dieser Zeit eine sehr wichtige Rolle gespielt, indem er dem Verein finanzielle Unterstützung zukommen ließ und dafür sorgte, dass die 1. Männermannschaft auf Kurs blieb und nicht vorzeitig auseinanderbrach, auch wenn es am Ende nicht für den Klassenerhalt gereicht hat. Gerade Olafs Engagement ist deshalb nicht zu unterschätzen, auch wenn es in der Folgezeit etwas in Vergessenheit geraten ist. Mein Beitrag war es, dieses Projekt rechtlich umzusetzen, was auf den letzten Drücker gelungen ist. Klaus Baumbach selbst hat in dieser kurzen Phase auch schnell realisiert, dass nach der Gründungsphase und seiner Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme nun wieder die sportliche Ausrichtung im Präsidentenamt einziehen müsse. So kam es, dass Guido Fischer im Herbst des Jahres 2003 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum Präsidenten gewählt wurde und die operative Verantwortung übernahm. Aber das ist dann schon wieder eine andere spannende Geschichte.
So war das also damals, vor 20 Jahren. Der Name veränderte sich geringfügig aber die Strukturen wurden den zeitlichen Anforderungen angepasst. Damit verbunden reifte auch die Erkenntnis, dass die in einem Amateurverein vorhandene Männerabteilung in erster Linie auch die Plattform für den eigenen Nachwuchs sein muss. Auch heute noch praktizierte Geschäftsmodelle, mit zusammengekauften Mannschaften Oberligazeit zu erwerben, sind der Tod des Amateurfußballes, weil die qualifizierte Jugendausbildung auf der Strecke bleibt.
Heute können wir auf erfolgreiche 20 Jahre innerhalb unserer 116jährigen Geschichte zurückblicken und dies tun wir mit Stolz und als handelnde Personen mit dem ehrlichen Versprechen, all unsere Kraft auch weiterhin zum Wohle des Vereins einsetzen zu wollen.
Danke lieber Christian für das Interview!
