Wacker Gotha wagt den Oberliga-Aufstieg
Torsten Graf, 12.05.2010
In Thüringen ist alles anders: Während man in den Fußballligen landauf-landab um den Aufstieg kämpft, will in der Thüringenliga so gut wie kein Verein in die Oberliga hochklettern. Am vergangenen Sonntag hat sich Wacker Gotha nun doch dazu entschlossen, das Risiko Oberliga erneut einzugehen. Vereinspräsident Holger Gabe erklärte dem MDR, was man nach dem Wacker-Desaster von 2003 anders machen will.
Ist es nicht grotesk, aktuell auf Tabellenplatz zwei zu liegen und doch schon als Aufsteiger festzustehen?
Holger Gabe: Ein komisches Gefühl ist das schon. Aber wir haben in den letzten Jahren immer vorn mitgespielt. Jetzt soll es offenbar der Aufstieg sein.
Wie lange mussten Sie überlegen, ob sie die Aufstiegschance wahrnehmen wollen?
Gut 14 Tage haben wir uns Gedanken gemacht. Es war eine gemeinsame Entscheidung von Vorstand, Aufsichtsrat, Sponsoren und auch dem sportlichen Bereich.
Was war der entscheidende Punkt?
Natürlich muss auch die finanzielle Seite stimmen. Ausschlaggebend war aber letztlich nur das sportliche Argument. Ohne Aufstiegsambitionen hätte uns am Saisonende vielleicht die halbe Mannschaft verlassen. Die Jungs wollen sich ja auch sportlich weiter entwickeln.
Was unterscheidet Wacker Gotha von den anderen vier Thüringenligisten, die abgewunken haben?
Wir haben uns voll auf den Nachwuchs konzentriert und wollen das auch weiter so handhaben. Das System in der Oberliga mit den finanziell gebundenen Spielern ist sehr schwierig. Derzeit haben wir, glaube ich, vier Spieler mit sogenannten Nicht-Amateur-Verträgen. Die müssen über mindestens 150 Euro laufen und haben den Vorteil, dass die Spieler an den Verein gebunden sind. Bei einem Wechsel wäre also eine Ablöse notwendig. Allerdings sind bei diesen 'Geringverdiener-Verträgen' auch Sozialversicherungsbeiträge fällig. Nach meinen Erfahrungen ist das immer ein Minusgeschäft.
Ihre Erfahrungen sagen aber auch, dass einen die Oberliga bankrott machen kann, so wie 2003 …
Stimmt. Aber ein paar Details muss man dazu nennen. Zum damaligen Gesamtverein Wacker 07 Gotha gehörten noch andere Abteilungen, wie Kegeln und Boxen. Weil der Fußball einen Großteil des Geldes gefressen hat, kam es im Vorstand zu heftigen Streitereien. In der Folge haben sich die Abteilungen ausgegründet. Die Fußballer hießen danach Wacker 03 und übernahmen einen Großteil der Verbindlichkeiten. Wacker 07 schaffte es dennoch nicht und ging nach einem Jahr in die Insolvenz.
Wie hoch sind Ihre Schulden heute?
Wir haben keine Schulden mehr!
In der Oberliga werden sie tendenziell gegen den Abstieg kämpfen. Das wird sich doch auch auf die Zuschauerzahlen auswirken.
Die Zuschauerzahlen sind auch in der Thüringenliga stark rückläufig. Die Zeit der großen Derbys mit über 1.000 Fans ist längst vorbei. Unser Durchschnitt liegt jetzt bei etwa 150 bis 200 Zuschauern.
Verstärken müssten Sie Ihr Team aber trotzdem.
Den einen oder anderen neuen Spieler wird es sicher geben. Aber wie gesagt: Wir setzen weiter auf unseren Nachwuchs, auf unsere eigenen Leute.
Quelle:http://www.mdr.de