Der Bärwolf kommt nach Leutzsch
Torsten Graf, 12.11.2010
Leipzig/Gotha. Am Sonntag kehrt Daniel Bärwolf nach Leipzig zurück, um mit seinen Mannschaftskameraden von Fußball-Oberligist Wacker Gotha gegen den FC Sachsen anzutreten. Der heute 37-Jährige spielte als junger Mann zwei Jahre lang für den Lok-Vorgänger VfB Leipzig (1994-96). Doch eine emotionale Angelegenheit ist der Besuch an der Pleiße für ihn nicht, es geht ganz nüchtern nur um Punkte.
„Seit wir in einer Liga mit dem FCS und Lok spielen, schaue ich beim Leipziger Fußball genauer hin", sagte der Stürmer am Donnerstag. „Obwohl ich aber über die Jahre den Bezug dazu etwas verloren habe, freut es mich, wieder im altehrwürdigen Alfred-Kunze-Sportpark zu spielen". Für den Routinier und die Aufsteiger-Mannschaft aus der Thüringenliga geht es in Leutzsch nicht um Nostalgie. „Wir wollen gegen Sachsen punkten", sagte Bärwolf.
Punkten gegen den Abstieg heißt das Motto. Da ist sich der ehemalige Spieler von CZ Jena, RW Erfurt und dem VfB Lübeck, für den er von 1998 bis 2007 auflief und zeitweilig in der zweiten Bundesliga spielte, sicher. „Wir wollen am Ende über dem Strich liegen und somit die Klasse halten", benennt der Wacker-Akteur das Saisonziel. Doch damit nicht genug: Attraktiven Fußball wolle die Elf auch spielen, aber vor allen Dingen sollen die jungen Spieler im Gothaer Kader gut ausgebildet werden.
Das ist der Grund, weshalb Bärwolf mit seinen 37 Jahren immer noch in der Oberliga die Bälle im Angriff hält und absichert. Der Routinier soll den Jungen Halt geben, sie anleiten. „Eigentlich wollte ich diese Saison nicht mehr mitspielen, aber der Verein hat keine erfahrenen Spieler gefunden, die den Job machen", bemerkt er. Also fragte Gothas Übungsleiter Holger Bühner, den Bärwolf noch aus RWE-Zeiten kennt, noch einmal an, ob er nicht einfach weiterspielen könne? Der Stürmer stimmte zu: „Es ist besser, als irgendwo in der Kreisliga über den Platz zu stolpern. Und es bringt mir Spaß, da das Niveau natürlich höher ist als in der Thüringen-Liga, und man von den Schiedsrichtern besser geschützt wird."
Fünf Liga-Tore hat der Altmeister in 11 Partien erzielt und damit seinen Anteil daran, dass Wacker derzeit „über Soll liegt", wie es Bärwolf ausdrückt. „Wir haben jetzt mehr Punkte, als wir erwartet haben." Zwar habe die Elf zwei Partien in dieser Spielzeit hoch verloren, doch gegen Spitzenmannschaften habe Wacker mithalten können, so seine Sicht der Dinge. Gegen Budissa Bautzen verloren die Thüringer nur mit 0:1, gegen die zweite Mannschaft von RW Erfurt reichte es Ende Oktober zu einem 0:0.
Vielleicht trifft der gebürtige Erfurter, der heute sein Brot mit Marketing und Sportberatung verdient, auch gegen den FC Sachsen. Oder wie es Bärwolf in Bezug auf seine Trefferquote ausdrückt: „Manchmal hab ich Glück und dann fällt mir der Ball auf den Kopf." Den trockenen Humor muss er aus seiner Lübecker Zeit haben.
Von Michael Dick
Quelle:LVZ