Wacker Gotha vermisst Unterstützung vom Landrat
Torsten Graf, 23.12.2010
Nach einer couragierten Vorrunde überwintern die Oberliga-Fußballer von Wacker Gotha auf einem achtbaren 12. Platz und liegen bereits sechs Punkte vor einem Abstiegsplatz. Die Winterpause nutzen Präsident Holger Gabe und Trainer Holger Bühner, um die Rückrunde vorzubereiten.
Gotha. Im Doppel-Interview fordern Präseident und Trainer von Stadt und Kreis klare Perspektiven für den Oberliga-Fußball in Gotha.
Herr Gabe, Herr Bühner welches Fazit ziehen sie zur Winterpause?
Holger Gabe: Ich bin sehr zufrieden. 15 Punkte hätte uns wohl keiner zugetraut. Zumal wir unter absoluten Amateur-Bedingungen gegen Halbprofis antreten.
Holger Bühner: Einige unserer jungen Spieler wie Hatzky und Schmidt haben einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Natürlich kann es uns bei einer schlechten Rückrunde schon noch erwischen. Positiv ist auf jeden Fall, dass wir aus eigener Kraft den Klassenerhalt schaffen können.
Herr Bühner sie wollten seit Saisonbeginn noch einen starken Innenverteidiger, bekommen Sie den jetzt?
Bühner: Zunächst mal gibt es zwei Abgänge. Robert Frank und Martin Fiß schaffen den Spagat zwischen Training und Beruf nicht mehr und werden uns verlassen. Wir sind an einem Verteidiger dran, der in der Junioren-Bundesliga gespielt hat, aber ich weiß nicht, ob wir ihn uns leisten können.
Gabe: Es ist im Moment finanziell echt extrem schwierig. Die Situation ist pervers: Wir spielen endlich Oberliga aber von Stadt und vor allem Kreis kommt so wenig Unterstützung wie noch nie zuvor.
Aber die Zuschauereinnahmen dürften doch sprudeln?
Gabe: Sicher freut uns der Schnitt von fast 500 Zuschauern pro Spiel, aber entscheidend sind die Sponsorengelder. Und hier haben städtische und kreiseigene Betriebe noch nie so wenig gezahlt wie heute. In der Stadt scheint das - mit Ausnahme des OB - allen egal zu sein und Landrat Konrad Gießmann kümmert sich vor allem um seine Bundesliga-Volleyballer.
Sind sie neidisch auf den Erfolg der Volleyballer?
Gabe: Ich ziehe meinen Hut vor den Erfolgen der Volleyballer. Nur stellt sich doch die Frage, liegt es im Interesse des Kreises, dass vom Landrat abhängige Unternehmen Volleyball-Legionäre bezahlen, die in Ohrdruf spielen? Gleichzeitig droht das Volksparkstadion in Gotha - das ja auch dem Kreis gehört - zur Investruine zu verkommen. Hier muss sich Herr Gießmann positionieren.
Was wünschen sie sich von Stadt und Landkreis?
Gabe: Beide müssen sagen, ob Oberliga-Fußball in Gotha gewünscht ist. So wie wir aufgestellt sind, mit lauter Ehrenamtlichen die diesen Verein mit seinen acht Nachwuchsmannschaften tragen, geht es auf Dauer nicht. Hätten wir ähnliche Mittel zur Verfügung wie die Volleyballer, könnten wir jedes Wochenende vor vollem Haus in der neuen ostdeutschen Regionalliga spielen.
Bühner: Es ist ja so, dass hier viele an der Grenze ihrer Belastbarkeit arbeiten. Im Sommer scheidet Peter Schubert aus, der macht hier Stadionsprecher, hängt Plakate auf, schreibt das Stadionheft, ist als helfende Hand bei jedem Spiel dabei. Wir werden ihn nicht ersetzen können.
Herr Gabe, Herr Bühner, wir haben viel übers Geld und die Erste gesprochen, wie sieht es im Nachwuchs aus?
Gabe: Da muss ich mich zuerst bei unseren ehrenamtlichen Übungsleitern bedanken, die mit ihrem Engagement Fantastisches leisten. Aber unseren Nachwuchskoordinatoren fehlt schlicht die Zeit sich um Alles zu kümmern. So was wird künftig nur gehen, wenn man hier zumindest stundenweise jemanden für diese Arbeit entlohnt.
Bühner: Wenn wir unsere Nachwuchsarbeit nicht stärken, kommen keine guten Spieler mehr in der Ersten an. Wenn wir dann ein, zwei Klassen tiefer spielen, wird es schwer die Nachwuchsarbeit auf diesem Niveau zu halten, weil ambitionierte Trainer und Jugendliche sich dann andere Vereine suchen.
Foto: Christiane Fischer
Quelle:http://www.thueringer-allgemeine.de