Fußballer sucht neue Herausforderung
Torsten Graf, 02.08.2011
Steffen Scheidler trug neun Jahre lang das Trikot von Wacker 03 Gotha. Jetzt wechselte er zum Regionalligisten Germania Halberstadt. Gotha. Es war ein warmer Sommernachmittag im August 2002: Auf dem grünen Rasen des Gothaer Törpe-Park rief der damalige Trainer der B-Junioren von Wacker Gotha, Thomas Wahrenberg, zur ersten Trainingseinheit der neuen Saison und begrüßte seine Spieler unter ihnen waren auch einige Neuzugänge. Einer davon war ein kleiner, blonder, technisch äußerst versierter Offensivfußballer des Jahrgangs 1987. Zusammen mit Sascha Heinemann jetzt bei der SG Bischleben/Möbisburg in der Landesklasse aktiv war Steffen Scheidler von den Junioren des FC Rot-Weiß Erfurt zu Wacker Gotha gewechselt. Talent hatte er, doch anfangs konnte sich Scheidler, der seine Fußballerzeit bei Victoria Mechterstädt begann, nicht so richtig durchsetzen. Ihm fehlte es besonders an körperlicher Durchsetzungskraft, wie er heute selbst sagt. Die Entwicklung von einem Junioren-Kicker in der Landesklasse zu einem hoffnungsvollen Talent bis hin zu einem Vorzeigefußballer, dessen Namen man in Fußballerkreisen auch über Thüringen hinaus kennenlernen sollte, setzte erst später ein. Immerhin: in seinem ersten Jahr wurde er mit Wackers B-Junioren Thüringer Vize-Pokalsieger, verpasste dagegen aber als Tabellenzweiter in der Landesklasse knapp den Aufstieg in die Verbandsliga. Einen gewaltigen Sprung machte er drei Jahre später: Antrittsschnelligkeit, Kreativität und Treffsicherheit, das zeichnete Scheidler aus, als er bei den A-Junioren spielte parallel half er oft in der zweiten Mannschaft aus. Dann ging alles ganz schnell: "Mein ersten Spiel mit der Ersten gegen Treffurt war auf dem Kunstrasen in der Wintervorbereitung. Dort schoss ich gleich zwei Tore und bin seitdem immer dabei gewesen", erzählt der gebürtige Mechterstädter. In dieser Zeit bestand das Wochenende für Scheidler nur aus Fußball: Er spielte bei den Junioren sowie in der Zweiten und durfte oftmals auch noch für ein paar Minuten bei der ersten Mannschaft in der Thüringenliga ran.
Duo mit Bärwolf
Seine Spielweise war anders: Scheidler kannte nur eine Richtung zum gegnerischen Tor. Da, wo andere den Ball erst annehmen und zurückpassen, überraschte er die gegnerischen Verteidiger mit einem Hackentrick und zog an ihnen vorbei. Tore erzielte er aus den unmöglichsten Positionen: Schnell brachte ihm das einen Stammplatz in Wackers erster Mannschaft ein. "Scheidel", wie sein Spitzname lautet, wurde zum Publikumsliebling. Mit dem Ex-Profi Daniel Bärwolf, der seine Karriere in Gotha ausklingen ließ, bildete der Blondschopf ein kongeniales Sturmduo, das die Abwehrreihen in der Verbandsliga jahrelang schwindlig spielte.
Höhepunkt war die Saison 2008/2009, als Steffen Scheidler in 27 Spielen 27 Mal traf und zudem zehn Vorlagen beisteuerte. Der Aufstieg in die Oberliga gelang aber erst ein Jahr später, als der Verein als Tabellenzweiter das Aufstiegsrecht wahrnahm, nachdem Meister Eintracht Sondershausen auf die Oberliga verzichtete hatte.
Ein Jahr Oberliga
"Vor der Saison hat keiner auf uns gesetzt. Wir haben mit unseren Möglichkeiten eine Wahnsinns-Saison gespielt und das Optimum herausgeholt", sagt Scheidler über das vergangene Jahr in der Oberliga. Dennoch gesteht auch er sich ein, nicht immer sein Potenzial abgerufen zu haben. Scheidler wirkte oft gehemmt, blockiert in seinen Aktionen: "Meine Leistung war vergangenes Jahr nicht so überragend. Zeitweise war ich nicht so gut drauf." Nur in manchen Spielen blitzte sein Können auf. Beim 3:2-Erfolg gegen Lok Leipzig schoss Steffen Scheidler alle drei Tore und schwärmt auch noch heute: "Das Spiel war der absolute Kracher". Der MDR zeichnete das Spiel auf und interviewte Scheidler anschließend. Nun hatte auch der Letzte vom Talent des Gothaer Offensivspielers Notiz genommen. "Ich hatte Glück, dass viele Vereine auf mich aufmerksam geworden sind", sagt der 24-Jährige weiter. Scheidler stand schon zuvor vor dem Absprung. Besonders Holger Gabe habe in den Jahren viel für ihn getan, sodass sich immer alles zum Positiven entwickelt habe: "Es hat bei Wacker immer Spaß gemacht und ich wäre auch gern geblieben, aber ich habe hier für mich keine Perspektive mehr gesehen". Von seinem Berater kam dann ein Anruf: Germania Halberstadt, Oberliga-Meister und Regionalliga-Aufsteiger, hat Interesse. "Ich will", antwortete Scheidler. Der Wechsel war mit Bedacht gewählt. Halberstadt spielte vergangene Saison die anderen Oberligateams in Grund und Boden es war die einzige Mannschaft, gegen die Wacker Gotha sowohl im Hin- als auch im Rückspiel beim 0:4 und 1:4 absolut chancenlos war. Scheidler scheint dort angekommen zu sein. Er stand in jedem Vorbereitungsspiel von Anfang an auf dem Platz und traf immer. Beim 5:2-Sieg beim niedersächsischen Oberligisten Goslarer SC am vergangenen Wochenende schoss er zwei Tore und bereitete eins vor. Sein neuer Trainer Andreas Petersen lobt seinen neuen Schützling in den höchsten Tönen. Scheidler sei besser als Michael Preuß, der vergangene Saison immerhin Torschützenkönig war und zum Hallschen FC gewechselt ist. Einen Stammplatz wird "Scheidel" wohl sicher haben. Seinen alten Verein vergisst er nicht: "Ich war erst einmal geschockt, als ich gehört habe, in welcher Situation sich Wacker Gotha befindet." Wie es in Gotha weitergeht, interessiere ihn auch aus der Ferne. Vorgenommen hat er sich, beim ersten Oberliga-Heimspiel von Wacker gegen den FC Rot-Weiß Erfurt II auf der Tribüne zu sitzen.
Quelle:http://www.tlz.de