Neue Schiedsrichter/Auch dabei: Michael Habichhorst

Torsten Graf, 24.01.2012

Neue Schiedsrichter/Auch dabei: Michael Habichhorst

Ran an die Pfeife: Der Konferenzraum des Gothaer Volkspark-Stadions verwandelte sich vergangenes Wochenende zu einer Ausbildungsstätte für Schiedsrichter. 18 Anwärter, vor ihnen auf dem Tisch lag ein Exemplar des offiziellen Regelwerks des Deutschen Fußball Bundes (DFB), bekamen drei Tage lang einen theoretischen Crashkurs von Sebastian Leinhos, dem Lehrwart des Kreisschiedsrichterausschusses, erteilt. Am Ende mussten sie eine Prüfung ablegen.


Unter ihnen war auch ein Oberligaspieler, der nach seinem Kopfstoß vom Sportgericht des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) zu einer halbjährigen Sperre verdonnert worden ist: Michael Habichhorst.


Einen Bericht vom Lehrgang schickte uns Steven Greif. Der fand ihn in der „Thüringischen Landeszeitung", geschrieben von Sascha Richter.


Zidane-Vergleich war übertrieben

Der 27-Jährige Verteidiger von Wacker Gotha stand nach der Tätlichkeit gegen den Unparteiischen im Viertelfinale des Landespokals gegen Rot-Weiß Erfurt im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Für ihn sei die Ausbildung zum Schiedsrichter, die er nach eigener Aussage „freiwillig absolviert", eine Aktion, um Einsicht zu zeigen, dass es als Schiri doch nicht so einfach sei. Und es soll nicht nur beim Lehrgang bleiben. Bis zum Ablauf seiner Sperre will Habichhorst dann auch Spiele im Nachwuchsbereich pfeifen.


Mehr als zwei Monate sind nun seit der Kopfstoß-Aktion vergangen. Zwar zeigt Habichhorst jetzt Reue, sagt laut, „es war falsch, so ein Verhalten zu zeigen", doch ist die öffentliche Schelte nicht spurlos an ihm vorbeigegangen: „Es war kein gutes Gefühl, so negativ dargestellt zu werden. Es wurde von der Medienseite auch ein bisschen übertrieben." Störend und unseriös empfindet der Wacker-Verteidiger vor allem den Zidane-Vergleich. Diese Geste sei wohl ausschlaggebend für das Hochpushen und letztendlich wohl auch für die lange Sperre gewesen, vermutet Habichhorst.


Zwar darf der 27-Jährige keine Spiele bestreiten, doch trainiert er ganz normal beim Oberligisten mit. Und bald steht er im gelben Hemd, mit Pfeife, gelber und roter Karte im Gepäck auf dem Fußballplatz und achtet darauf, dass Nachwuchskicker die Regeln einhalten.


Sebastian Leinhos ist seit vier Jahren Lehrwart des Kreisschiedsrichterausschusses. Zwar steht der 28-jährige erst seit sieben Jahren als Unparteiischer auf dem Platz, pfeift allerdings ziemlich weit oben in der Verbandsliga, und weiß, was er den Neulingen mit auf dem Weg geben muss.


Viele junge Schiris hören wieder auf

„Schiedsrichter zu sein bedeutet eine sehr hohe psychische Belastung" sagt Leinhos. Gerade das Verhältnis zwischen Unparteiischen und Trainern sei sehr schwierig, da ein großer Interessenkonflikt herrsche. Kritik übt der Lehrwart aber auch an den Eltern. „Gerade im Juniorenbereich ist das, was von den Eltern auf den Platz getragen wird, hart an der Grenze." Dies sei auch der Grund, weshalb viele jüngere Schiris auch wieder aufhören würden. Um die Unparteiischen bei ihren ersten Einsätzen zu unterstützen, werden den Neulingen vom Kreisschiedsrichterausschuss in den ersten Spielen nun Paten zur Seite gestellt.




Dass das Alter bei Schiedsrichtern keine Rolle spielen muss, beweisen unterdessen Helmut Plödereder und sein Sohn Romeo. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer legte im Jahr 1969 eine Schiedsrichter-Prüfung ab. Das ist lange her. Zu lange. Helmut Plödereder frischt seine Kenntnisse nun auf, um bald wieder mit der Pfeife auf dem Platz stehen zu können. Während er mit 60 Jahren der älteste im Teilnehmerfeld war, hat sein Sohn Romeo seine Schiedsrichterkarriere noch vor sich. Er ist gerade einmal 12 Jahre alt.


Sascha Richter (Thüringische Landeszeitung)/Hartmut Gerlach


Quelle:http://www.tfv-erfurt.de