Von Ghana nach Gotha

Torsten Graf, 04.03.2012

Von Ghana nach Gotha

Die Winterpause ist für den FSV Wacker 03 Gotha vorbei. Der Vereinsvorstand hat sich dazu entschlossen, im Winter keine kostspieligen Transfers vorzunehmen, sondern aktiv an der Integration junger Nachwuchsspieler in die erste Mannschaft zu arbeiten. Das Team ist im Aufbau und in den nächsten Monaten bereit für die Oberliga. "Natürlich halten wir deutschlandweit Ausschau nach geeigneten Talenten. Entscheidend ist, dass diese ins Team passen", sagt Vizepräsident Thomas Fiedler. "Mit Willie Kudese haben wir ein neues, präsentes Talent in Gotha. Willie hat die Herzen der Zuschauer erobert. Es fällt allen auf, wie positiv, ja fast übermotiviert er sich für das Team einsetzt. Er muss sich noch profilieren, aber wir sind sehr zuversichtlich."

Mit fünf Jahren schenkte ihm sein Vater in Ghana seinen ersten Fußball. Mit acht Jahren zog Willie Kudese in die Schweiz. 17 Jahre spielte der Linksfüßer für diverse Schweizer Vereine, zuletzt für die FC Blue Stars Zürich. Weil Fußball in der Schweiz keinen so hohen Stellenwert besitzt wie in Deutschland, wechselte Willie Kudese nach Gotha. "Seit September vergangenen Jahres spiele ich im Mittelfeld der ersten Mannschaft. Leider musste ich verletzungsbedingt pausieren, aber nun freue ich mich auf die neuen Herausforderungen in Deutschland", erzählte der 25-jährige Sportler mit leichtem Schweizer Akzent.

Willie Kudese war überrascht, wie wenig Dunkelhäutige es in Gotha gibt, aber er fühlt sich sehr wohl: "Die Menschen hier sind bodenständig, sehr freundlich und gar nicht überheblich." Der Fußballer mit Schweizer Pass beschreibt sich als wissbegierig, weltoffen und realistisch. Für seinen Traum, einmal als Fußballprofi spielen zu dürfen, verzichtete er schon früh auf einen Teil seiner Freizeit. Dennoch ist Fußball nicht alles für ihn: Er absolvierte eine Ausbildung zum Logistiker und fand in Gotha Arbeit.

Der FSV Wacker 03 Gotha brennt laut Fiedler darauf, endlich richtig durchzustarten: "Wacker steht für und hinter Gotha. Wir sind der Stadt und allen Förderern dankbar für die Unterstützung. Trotz des kompletten Wegfalls eines namhaften Sponsors arbeitet der Verein mit seinem Vorstand und unseren Ehrenamtlichen wie den Kassierern, der Security und der Fangruppe 'Wacker-Supporters' unermüdlich daran, auch in der kommenden Saison den Gothaer Fans Oberliga-Fußball zu präsentieren. Wie suchen natürlich weiterhin Sponsoren und Partnerschaften." Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann aus Träumen vielleicht Realität werden: zum Beispiel der noch belächelte Traum vom Aufstieg in die Regionalliga.


Von Livia Zimmermann


Quelle:Allgemeiner Anzeiger vom 26.02.2012