Erster Vorgeschmack
Torsten Graf, 16.07.2012
Unter dem Motto "Jugend forscht" hätte das Vorbereitungsspiel zwischen Wacker Gotha und dem FC Carl Zeiss Jena auch stehen können. 20-einhalb Jahre betrug das Durchschnittsalter beider Mannschaften. Gotha und Jena machen derzeit eine Radikalkur durch - der Oberligist und der Regionalligist befinden sich im personellen Komplettumbruch. Nimmt man die Partie vom Samstagnachmittag als Maßstab, so scheint Wacker Gotha trotz des 1:3 (1:0) ein gutes Stück weiter zu sein als die Jenaer. Ein Klassenunterschied war jedenfalls nicht zu erkennen.
Mit Applaus wurden Wackers Rechtsverteidiger Barssabas da Cruz und Mittelfeldakteur Peter Rölke von Zuschauern verabschiedet, als sie nach einer Stunde ausgewechselt wurden und an der Tribüne vorbeischritten. Kaum einer wusste, wer denn da für die Wackeren auf dem Platz stand - und doch zollte man den beiden Testspielern, deren Verpflichtung noch nicht unter Dach und Fach ist, für eine starke Leistung Respekt. So ging es dem Publikum wohl bei vielen Spielern. Acht unbekannte Gesichter standen bei Gotha in der Startelf. Und mit ein oder zwei Veränderungen könnte es womöglich die Mannschaft sein, die auch im ersten Punktspiel beim Heidenauer SV auf dem Platz steht.
Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Bereits nach fünf Minuten durfte ausgerechnet der Spieler, der zuvor noch dem Spiel gegen seinen Ex-Klub entgegenfieberte, jubeln - Stephan Kubirske. Wackers Kapitän fand sich nach Pass in die Tiefe auf einmal frei vor dem Tor wieder und schob zur frühen Führung ein. Jena hatte im ersten Abschnitt die zu erwarteten größeren Spielanteile und das flüssigere Kombinationsspiel, blieb im Angriff aber arg harmlos. Wenn die Gäste um Angreifer Pascal Ibold und Maxim Banaskiewicz dann mal durch waren, scheiterten sie am Unvermögen oder am stark parierenden Gothaer Schlussmann Marek Hrdina. Der tschechische Torwart mit Erstligaerfahrung hat zwar offiziell noch nicht bei Wacker unterschrieben - die Verpflichtung sei allerdings nur noch reine Formsache, sagt der sportliche Leiter Steven Hoppert.
Ähnliches gilt für den Ukrainer Denys Repetylo. Mit ihm gewann das Gothaer Offensivspiel deutlich an Qualität. Das Duo Francisco Paunde/Repetylo dürfte künftig viel Freude bereiten. Im zweiten Abschnitt wechselten beide Teams munter durch - der Spielfluss war längst verflogen. Durch Einzelaktionen kam der Drittliga-Absteiger durch Tore von Geißler (52.), Barth (76.) und Schlosser (79.) noch zum standesgemäßen 3:1.
"Für den jetzigen Stand der Vorbereitung bin ich ganz zufrieden", sagte Trainer Holger Bühner. Im Großen und Ganzen stehe der Kader. Ob die Testspieler, das betrifft besonders Barssabas da Cruz und Peter Rölke, noch dazustoßen werden, wird sich bald entscheiden. Nur mit der Zuschauerzahl konnten die Verantwortlichen wieder einmal nicht zufrieden sein. "Ich hätte mir gewünscht, dass 400 kommen", sagte Vizepräsident Thomas Fiedler. Etwas mehr als die Hälfte sind es letztendlich geworden.
Von Sascha Richter
Quelle:TLZ